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Samstag 3. April 2010, 15:03 Uhr
Mehr Schutz für ausgebeutete Prostituierte in Großbritannien

London. Der Bordellbesuch könnte für Freier in Großbritannien demnächst teuer werden - wenn die käuflichen Damen sexuell ausgebeutet werden.

Käuflicher Sex kann für Freier in Großbritannien seit Monatsbeginn ein krimineller Akt werden. Ein neues Gesetz stellt den Kontakt mit Prostituierten unter hohe Strafen, wenn nachgewiesen wird, dass die Kunden die Abhängigkeit der Frauen ausnützen. Dies ist der Fall wenn die "Sexarbeiterinnen" mit ihrem Verdienst beispielsweise Drogenabhängigkeit finanzieren oder von Zuhältern ausgebeutet werden.

Nach schwedischem Vorbild werden von nun an nicht die Frauen, sondern ihre Kunden strafrechtlich verfolgt. Hauptziel der neuen Bestimmungen ist die alarmierend zugenommene "Sexsklaverei": Frauen aus Osteuropa, Afrika und Asien werden von Schlepperbanden mit der Aussicht auf Arbeit nach Großbritannien geschleust und enden dann in der Prostitution. Wer die Dienste solcher Frauen nutzt, muss mit einer Geldstrafe bis zu 1000 Pfund und einem Eintrag ins Vorstrafenregister rechnen.

Die verurteilten Männer werden zudem in den Lokalzeitungen mit vollem Namen an den Pranger gestellt. Besonders hart wird gegen Freier auf dem Autostrich durchgegriffen: Wer dort ertappt wird, kann den Führerschein und sein Auto verlieren. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Die Kunden von Prostituierten müssen sich laut Gesetz vor jedem Besuch vergewissern, dass die Frauen nicht ausgebeutet werden. Offiziell gibt es in Großbritannien keine Bordelle, dafür bieten selbst in Kleinstädten "Massagesalons" ihre Dienste an. Der Straßenstrich in Großstädten wurde zur Landplage. Nach regierungsamtlichen Schätzungen zählt die Sexindustrie auf der Insel rund 80 000 Beschäftigte.

Die neuen Bestimmungen reformieren die 50 Jahre alten Gesetze zur Prostitution. Damit begräbt die britische Regierung auch die in den letzten Jahren diskutierten Vorschläge, Bordelle in speziellen "Rotlichtvierteln" zu legalisieren. Die Sexarbeiterinnen, die dies seit langem fordern, finden die neuen Regelungen "zu puritanisch", wie Cari Mitchell, die Sprecherin des "Englischen Prostituierten-Kollektivs", erklärte. "Die Regierung sollte lieber den Frauen helfen, anstatt es für sie schwerer zu machen."

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(Quelle: swp.de)

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