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Donnerstag 10. September 2009, 18:24 Uhr
Prostituierte fühlen sich verleumdet
Im Juni wurden bei einer Großrazzia von Polizei, Staatsanwaltschaft
und Steuerfahndung im Rotlicht-Milieu mehrere Wohnungen, Geschäftsräume
und Bordelle unter anderem in Villingen-Schwenningen durchsucht
(wir berichteten). Dabei wurden fünf Männer festgenommen,
denen Zuhälterei, Menschenhandel, Steuerhinterziehung
und Vergewaltigung vorgeworfen wird. Drei von ihnen sind mittlerweile
wieder auf freiem Fuß, da sie laut Staatsanwaltschaft
Teilgeständnisse abgelegt haben. Da keine Flucht- oder
Verdunklungsgefahr angenommen werde, seien die Haftbefehle
außer Vollzug gesetzt worden. Zwei Männer, die
dem engeren Führungskreis der mutmaßlichen Zuhälterbande
zugeordnet werden, sitzen nach wie vor in Haft.
Im Zuge der Festnahmen war die Rede von Brandmarkung der
Prostituierten. Dagegen wehren sich die Damen entschieden:
Diana, Yvonne, Barbie, Coco und die anderen Frauen, die im
„La Notte“ und „Laufhaus“ als Prostituierte
arbeiten, sind traurig und wütend. Traurig, weil „ihre
Männer“, wie sie die Bordellbetreiber bezeichnen,
im Gefängnis saßen oder noch sitzen. Und wütend,
weil die Darstellung der Staatsanwaltschaft in Pressemitteilungen
offenbar nicht dem entspricht, wie die Männer mit den
Frauen wirklich umgegangen sind. So wollen sie beispielsweise
die Behauptung, die Frauen seien mit dem Namen ihrer Zuhälter
„gebrandmarkt“ worden, so nicht stehen lassen.
„Wir sind doch keine Viecher. Es handelt sich um ganz
normale Tätowierungen, mit den Namen unserer Männer“,
erklärt Diana und zeigt ihren Ringfinger, auf dem der
Name einer der „Männer“ tätowiert ist,
der jetzt im Gefängnis saß.
„Weshalb sollte ich mir das Tattoo machen lassen, wenn
ich es nicht wollte.“ Und Yvonne ergänzt, „wir
machen das aus Liebe.“
Auch der Vorwurf der Vergewaltigung und des Menschenhandels
sei absurd, erklären die Frauen. „Wenn es wirklich
so wäre, dass wir zur Prostitution gezwungen worden wären,
hätten wir doch jetzt die Möglichkeit, abzuhauen,
aber wir sind immer noch da. Wir leben hier in Deutschland,
wer sich hier zu irgendetwas zwingen lässt, ist dumm.“
Die neun Huren betonen im Gespräch mit dieser Zeitung
mehrfach, dass sie ihrem Beruf absolut freiwillig und ohne
jeglichen Druck nachgehen. „Wir können unsere Arbeitszeit
und den Preis für unsere Dienstleistung selbst bestimmen
und auch, mit welchem Freier wir aufs Zimmer gehen und mit
wem nicht.“ Außer einer täglichen Miete,
die sie für das Zimmer in den Clubs bezahlen, bräuchten
sie kein weiteres Geld an die Bordellbetreiber abgeben, sagen
sie.
Schwere Kritik üben die Prostituierten an der Vorgehensweise
von Polizei und Staatsanwaltschaft. „Die haben uns unsere
Autos weggenommen, unsere Handys, Fernseher und unser Geld.“
Auch sei bei der Durchsuchungsaktion etliches zu Bruch gegangen.
Türen seien eingetreten und Inventar beschädigt
worden. „Jetzt müssen wir anschaffen gehen, um
das alles zu bezahlen.“ Dies sei wiederum nicht einfach,
weil seit der Razzia in den Bordellen im wahrsten Sinne „tote
Hose“ herrscht und die Freier ausbleiben.
Auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft in Konstanz erklärte
Staatsanwalt Hettenbach, dass „die Beschlagnahme sicher
nicht ohne gerichtliche Anordnung durchgeführt wurde.“
Es könne sein, dass diese Gegenstände als Beweismittel
dienen können. Oder um zu ermitteln, ob die Gegenstände
mit illegal erworbenem Geld beschafft wurden. „In diesem
Fall würden die Gegenstände eingezogen.“ Sollte
sich herausstellen, dass Autos, Handys, Fernseher und das
Bargeld den Frauen gehört, bekommen sie es wieder. Dass
einer der Männer, gegen den sich der Verdacht der Zuhälterei
und Menschenhandels richtet, bei der Razzia nicht angetroffen
werden konnte, sei übrigens reiner Zufall gewesen und
habe nichts mit Flucht zu tun gehabt, meinen die Vertreterinnen
des wohl ältesten Gewerbes der Welt. „Er ist am
Vortag der Razzia in den Urlaub nach Bosnien gefahren“,
erklärt die Anwältin, die die Frauen und besagten
Mann vertritt und die ihrem Mandanten riet, bis auf Weiteres
in Bosnien zu bleiben.
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(Quelle: suedkurier.de)
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