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Sonntag 28. Juni 2009, 10:52 Uhr
Der Staat subventioniert die Prostitution
„Rotes Licht, trübe Zeiten / Kunden bleiben aus
- oder wollen feilschen: Das Geschäft mit der Prostitution
läuft schlecht in Deutschland. Die Wirtschaftskrise erreicht
Bordelle, Huren und Zuhälter“
Die Fakten sehen anders aus. 14,5 Milliarden Euro Umsatz
pro Jahr werden eben nicht von 25 Euro-Huren erzielt. Das
eigentliche Geschäft erfolgt längst nicht mehr auf
der Straße oder in billigen Puffs, sondern in äußerst
gepflegten, aufwendig eingerichteten Clubs und Studios. Die
Stundensätze dieser „Damen“ liegen dort bei
200 bis 300 Euro, je nach Dienstleistung. In diesen höheren,
aber zunehmend bedeutsam werdenden Segmenten verdienen die
„Damen“ zwischen 10 000 und 20 000 Euro pro Monat.
Kein Wunder, dass auch zunehmend Akademikerinnen diesen „Beruf“
attraktiv finden und in diese Branche wechseln. Gerade die
derzeitige Wirtschaftskrise führt viele Anwältinnen,
Sekretärinnen und auch Journalistinnen (ja, natürlich)
in diese Branche, die seit einigen Jahren völlig legalisiert
ist.
Dabei entfallen 40 Prozent der Umsätze auf den Clubbetreiber,
60 Prozent gehen an die „Damen“. Da es sich um
Bargeschäfte handelt, ist es ein Leichtes, diese Beträge
an der Steuer vorbeizuschleusen. Der Fiskus gibt sich mit
einer Besteuerung nach dem „Düsseldorfer Modell“
zufrieden. Dabei werden je nach Bundesland zwischen zehn und
25 Euro Steuerpauschale pro Werktag fällig. Reicht die
Prostituierte keine Steuererklärung mehr ein, ist damit
die gesamte Steuer – Umsatz-, Einkommen- und Gewerbesteuer
– abgegolten. Damit subventioniert der Staat die Prostitution,
denn derart niedrige Steuersätze gibt es nirgendwo sonst.
Jeder ehrliche Gewerbetreibende, der ordentlich seine Bücher
führt und Steuererklärungen einreicht, kann von
derart niedrigen „Pauschalen“ nur träumen.
Die früheren Zuhälter sind Immobilieninvestoren
geworden, die das Haus, die Villa, die Etage, in der der Club
geführt wird, besitzen. Das an der Steuer vorbeigeschleuste
Schwarzgeld wird mit diesen Immobilieninvestitionen „gewaschen“.
Auch die eine oder andere „Dame“ kann sich nach
einigen Jahren Arbeit eine Villa, zumindest aber eine Eigentumswohnung
leisten und dadurch ihr Schwarzgeld legalisieren.
Ein Rückgang von zehn Prozent gegenüber anderen
Branchen ist gar nichts bei den Margen, die dort verdient
werden. Die Wahrheit ist: Die Prostitutionsbranche ist die
einzige felsenfest stehende Bastion unserer Marktwirtschaft,
faktisch steuerfrei und zunehmend attraktiv für junge,
gebildete Frauen. Im Übrigen: Wenn Herr Nußbaum
als Finanzsenator ernsthaft Geld einsammeln will, sollte er
verstärkt bei den Clubs, Studios und Edelbordellen prüfen.
Dort ist noch einiges zu holen.
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(Quelle: tagesspiegel.de)
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