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Mittwoch 3. Juni 2009, 02:54 Uhr
Straßenstrich soll vor die Stadtreinigung

Die Prostituierten kommen zu den Saubermännern - so könnte man den Plan des Bezirksamtsleiters Mitte, Markus Schreiber, beschreiben.

Hamburg. Der will nämlich den Straßenstrich von der Süderstraße ins Industriegebiet am Bullerdeich in Hammerbrook verlagern. Dorthin, wo die Stadtreinigung ihren Sitz hat, die den Vorschlag ablehnt. "Wir sind nicht begeistert", sagt Reinhard Fiedler, Sprecher der Hamburger Stadtreinigung. Er fürchtet gar nicht mal Belästigungen, sondern den Suchverkehr der Freierautos. Denn die würden nicht nur Bordelle und Wohnmobile aufsuchen, sondern auch versteckte Grundstücke.

Intern wird in der Stadtreinigung der Wunsch Schreibers heftiger kritisiert. "Wir dachten, das sei ein Scherz. Prostituierte dorthin zu schicken, wo der Müll verarbeitet wird, ist diskriminierend", heißt es. Dazu wird es wohl auch nicht kommen: Denn die Innenbehörde sieht für einen Straßenstrich am Bullerdeich wenig Chancen. Die rechtlichen Voraussetzungen seien dafür nicht gegeben.

Besser stehen da schon Schreibers Chancen, neue Bordelle rund um den Straßenstrich mit dem Baurecht zu verhindern. In einer Woche soll ein "Aufstellungsbeschluss" erfolgen. "Dann kann jede Neuansiedlung von Bordellen, Saunaklubs oder FKK-Anlagen abgelehnt werden", sagt der Amtschef. Der neue Bebauungsplan für Hamm-Süd ist ein Teil eines Programms, mit dem Schreiber die Prostituierten von der Süderstraße möglichst vertreiben will. Hintergrund ist der Bau eines neuen Großbordells für mehr als 100 Prostituierte an der Süderstraße 236/238 - ein Bordell, das der Bezirk Ende vergangenen Jahres gern verhindert hätte. Jedoch war der Antrag ohne den Amtschef zu informieren in der Bauprüfabteilung abgesegnet worden. Die Erlaubnis für das Riesenbordell war bei den Anwohnern des in der Nachbarschaft liegenden Osterbrooksviertels auf heftige Kritik gestoßen. Alle Anträge, hinter denen bordellartige Betriebe stecken könnten, werden seitdem Schreiber vorgelegt. Weiterhin will der Bezirk gegen Wohnmobile von Prostituierten vorgehen, die an der Süderstraße stehen.

Der Kampf des Bezirksamtsleiters Schreiber gegen Bordelle und den Straßenstrich findet nicht überall Zuspruch. Seine erste Forderung, ganz Hamburg zum Sperrbezirk zu erklären, war auf breite Ablehnung gestoßen. Auch die geforderte Verlagerung des Straßenstrichs wird kritisiert. Die Innenbehörde sieht an der Süderstraße weder eine "sichtbare Auswirkung auf die Anlieger" noch den Jugendschutz oder den öffentlichen Anstand beeinträchtigt. Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) teilte Schreiber mit, dass weder die Prostituierten noch die Freier die Allgemeinheit belästigten.

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(Quelle: abendblatt.de)

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