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Samstag 28. März 2009, 07:25 Uhr
Edel-Bordell vor dem Aus: Das
Ende von Klein Paris
Es war das erste Bordell in Konstanz und genoss weit über
die Stadtgrenzen hinaus einen guten Ruf: Klein Paris. Nun
soll es abgerissen werden.
Geschlossen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Geschäftsmänner
an der Reichenaustraße etwas Zerstreuung vom Manageralltag
gefunden haben; in denen zurückhaltende Herren unkompliziert
mit Damen ins Gespräch kamen; in denen beim Vorüberfahren
der Blick am kleinen Eiffelturm hängen blieb und jeder
wusste, wie umtriebig es in dem Haus zuging: Nachruf auf das
Klein Paris.
Man kann unterschiedlicher Ansicht über Bordelle sein:
sie mögen, sie abstoßen, respektieren, akzeptieren.
Abseits aller Befindlichkeiten hat der Anblick des Klein Paris
an der Reichenaustraße bei vielen Menschen ein Stück
Rotlichtromantik hervorgerufen. Dieser Puff und Konstanz gehörten
einfach zusammen. Zum Teil etliche Kilometer haben die Gäste
auf sich genommen, um in diesem Etablissement Entspannung
zu finden.
Diese einst so noble Adresse ist passé. Es gibt sie
nicht mehr. Die Telefonnummer ist ungültig. Schaukästen
sind abgebaut, das Inventar ausgeräumt. Viel zeugt nicht
mehr vom einstigen Vorzeige-Bordell. Das marode Gebäude
steht vor dem Abriss. Bereits vor einem Jahr hat es SÜDKURIER-Informationen
zufolge den Eigentümer gewechselt. Eine Investorengemeinschaft
aus Radolfzell will den Bau dem Erdboden gleich machen, darauf
wohl eine Spielhalle errichten. Die Bagger könnten jeden
Tag anrollen. Bis zum Abriss soll dem bisherigen Pächter
die Weiterführung des Bordells zugestanden worden sein.
Er hatte Beobachtern zufolge hehre Ziele, wollte das Renommee
des Klein Paris als niveauvolles Etablissement aufrechterhalten.
Doch schon Jahre zuvor hatte das Bordell ein wichtiges Standbein
verloren.
Nachdem der ehemalige Geschäftsführer in diverse
Machenschaften verstrickt war, dafür auch vom Gericht
verurteilt wurde, entzog das Bürgeramt Konstanz 2006
mit Bestätigung des Verwaltungsgerichts die Schankerlaubnis.
Das Klein Paris verlor den Charme, darin den Abend bei einem
Bierchen in erotischer Atmosphäre auch ohne Liebesdienste
ausklingen lassen zu können.
Der gute Ruf des Hauses begann mit der Bordellgründung
durch das Ehepaar Fryderyka und Jennö Müller, der
später ermordet wurde. Anfang der 1970er Jahre hatten
sie das Gebäude für damals 270 000 Mark (138 000
Euro) gekauft. Mit dem Klein Paris zog die Prostitution in
Konstanz ins Trockene. Bis in die 1960er Jahre hatte in der
Grenzstadt der Straßenstrich auf der Laube floriert,
er wurde verboten, Sperrbezirke ausgewiesen. Das Bordell an
der Reichenaustraße war stets bekannt für einen
anständigen Umgang mit den Prostituierten und für
geordnete Geschäftsbedingungen zwischen ihnen und den
jeweiligen Pächtern wie Erich Breinlinger.
Doch das hatte seinen Preis. Nicht jeder potenzieller Kunde
wollte im Laufe der Jahre für die Tarife des niveauvollen
Bordells nun ohne Ausschank aufkommen und zog Etablissements
mit Dumpingpreisen vor. Hinzu kam der ausbleibende Kundenstrom
auch aus der Schweiz, nachdem das Land den Markt der käuflichen
Liebe liberalisiert hatte. Das Klein Paris war Beobachtern
zufolge nicht mehr lukrativ, der Verkauf des Areals gewinnbringender
für den Eigentümer. Damit endet die Ära eines
Gebäudes; das viele Geschichten erlebt hat, als erstes
Bordell im einstigen als „Bums-Bonanza“ bekannten
Konstanz Geschichte geschrieben hat. Ein Trost: zumindest
der Eiffelturm soll weiterhin davon zeugen, was sich einst
an der Reichenaustraße 216-218 abgespielt hat.
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(Quelle: suedkurier.de)
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