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Dienstag 17. März 2009, 08:42 Uhr
Die Stadt spielt beim Strich auf Zeit

Für Straßenprostitution ist kein Alternativ-Standort in Sicht - "Verrichtungsgelände" kostet bis zu 300 000 Euro

Bonn. Die Stadtverwaltung tut sich in Sachen Straßenprostitution schwer, die Auflagen des Regierungspräsidenten (RP) zu erfüllen. Dieser hatte die Stadt aufgefordert, auf Dauer die Straßenprostitution wieder rund um die Uhr und nicht wie seit September nur nachts zuzulassen.

Doch "es gibt im gesamten Stadtgebiet keinen Straßenzug, an dem die Straßenprostitution auch tagsüber möglich ist", teilt die Verwaltung dem am Dienstag tagenden Sozialausschuss mit (18 Uhr im Ratssaal des Stadthauses).

Deshalb will die Verwaltung, dass die derzeitige Sperrbezirksverordnung (Prostitution nur von 20 bis 6 Uhr Am Propsthof und in der Gerhard-Domagk-Straße erlaubt) bis Ende dieses Jahres verlängert wird. In der Zeit will man weiter nach einem Standort für ein so genanntes Anbahnungs- und Verrichtungsgelände suchen.

"Mögliche Standorte werden untersucht, doch auch für ein Verrichtungsgelände ist es in Bonn schwierig, ein geeignetes Grundstück zu finden", sagte Elke Palm vom städtischen Presseamt. In der Vorlage für den Sozialausschuss ist von zwei privaten Grundstücken die Rede, "die von der Lage her geeignet sind".

Bei beiden müssen aber noch Gespräche mit den Eigentümern geführt werden. Nach Informationen des GA liegt eines dieser Grundstücke an der Immenburgstraße in der Nähe des Eros-Centers und könnte aus polizeilicher Sicht die Anforderungen in puncto Sicherheit erfüllen.

Doch selbst wenn die Politik diese Lage als geeignet bewerten sollte, könnten die Bebauungskosten eine kontroverse Diskussion entfachen: für die Errichtung von "mindestens sechs einfach gestalteten Verrichtungsboxen", eines Bürocontainers für die soziale Betreuung der Prostituierten sowie eines zweiten Containers mit Sanitäreinrichtungen würden 185 000 bis 305 000 Euro fällig. Plus jährliche Folgekosten von 250 000 bis 300 000 Euro.

Zugleich weist die Verwaltung darauf hin, dass sich die Situation Am Propsthof gebessert habe, nachdem man zwei Toiletten sowie Abfalleimer aufgestellt habe. "Seit Anfang des Jahres gibt es in einer Testphase von drei Monaten einen zweiten Betreuungstag für die Prostituierten", sagte Palm.

Viele Frauen auf dem Bonner Straßenstrich sind laut Sozialverwaltung drogenabhängig. Die Anlieger der Gegend - darunter die Universität, T-Systems und Gewerbetreibende - kündigten am Montag weitere Beschwerden für den Fall an, sollten die Auflagen des RP nicht erfüllt werden.

Der Sozialausschuss befasst sich am Dienstagabend unter anderem auch mit dem Thema Methadonsubstitution in Bonn.

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(Quelle: general-anzeiger-bonn.de)

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