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Mittwoch 25. Februar 2009, 10:43 Uhr
Immer mehr Prostituierte wollen raus
aus dem Milieu
Bremerhaven (shs). Eine Prostituierte klingelt nachts an
einer Polizeiwache. Sie ist verzweifelt, will raus aus dem
Milieu der Abhängigkeit und Gewalt. Das kommt jetzt häufiger
vor. Dr. Martin Binns von der Staatsanwaltschaft beobachtet
einen Anstieg der Fallzahlen im Deliktfeld Menschenhandel/Ausbeutung
von Prostituierten. Aber nicht immer kommt es zum Urteil.
Fast immer geht es um Bulgarinnen, die mit ihren Zuhältern
2007 kurz nach dem EU-Beitritt des Balkans an die Weser gekommen
sind. In Bremerhaven schaffen seitdem viele von ihnen an.
Oft nicht freiwillig. Von den rund 150 Prostituierten in der
Stadt kommen etwa 70 aus Bulgarien. Ein Verfahren wegen des
Verdachts des Menschenhandels aus der Seestadt liegt noch
bei der Polizei, zwei sind 2008 eingestellt worden –
aus Mangel an Beweisen.
Täter zu überführen, das ist in diesem Bereich
schwieriger als in anderen Delikten. „In solchen Fällen
gibt es selten objektive Beweise“, erklärt Binns,
„in der Regel steht Aussage gegen Aussage“. Es
sei ihm noch nicht untergekommen, dass ein Beschuldigter ein
Geständnis ablegt. So kommt es oft gar nicht zum Prozess.
Manchmal auch deshalb, weil die Frau ihre Angaben widerrufen
hat. Die Opfer seien oft eingeschüchtert, weiß
Binns.
Jens Ditzel, der lange im Rotlichtmilieu für die Kripo
ermittelt hat, beschreibt die Situation: „Sie entkommen
ihrer Lage oft nur mit dem, was sie am Leib haben.“
Kollegen seien aus Mitleid schon mit den Frauen einkaufen
gegangen, damit die Frauen eine Mahlzeit und warme Sachen
bekommen. Viele sprechen nur ihre Heimatsprache. „Wenn
sie unter Druck stehen und dann noch aussagen müssen,
entstehen natürlich Widersprüche“, ist für
Ditzel klar. In der Seestadt gebe es eine Frau, die schon
fünf Jahre darauf wartet, dass ihr Peiniger vor Gericht
kommt.
Vorwurf an Freier Die Akte liege nicht bei der Staatsanwaltschaft,
sagt Binns. Er versuche, Beweise schnell zu sichern, etwa
durch richterliche Vernehmungen. Aber auch das hilft nichts,
wenn sich der Verdächtige ins Ausland abgesetzt hat.
Noch nicht verhandelt sind eine Reihe von Verfahren aus Bremen
aus diesem Deliktfeld, die während der vergangenen sechs
Monate eingegangen sind. Angeklagt werden je nach Tatvorwürfen
Menschenhandel, Zuhälterei, Ausbeutung von Prostituierten,
Körperverletzung und/oder Sexualdelikte wie Vergewaltigung.
Fällig werden kann alles von einer Geldstrafe bis hin
zu zehn Jahren Haft.
Was Binns nicht begreift: „Die Freier müssen diese
Situation doch auch sehen. Wenn da eine Frau ist, die kein
Wort Deutsch spricht, ist sie doch so abhängig, dass
sie sich ihre Situation kaum selber ausgesucht hat.“
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(Quelle: nordsee-zeitung.de)
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