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Dienstag 17. Februar 2009, 08:06 Uhr
Problemfall Leonhardsviertel

Stuttgart - Das Leonhardsviertel, so jammern viele, verkomme zusehends, die Prostitution nehme immer mehr zu. Tatsache ist: Die Stadt hat die meisten ihrer Gebäude im Quartier verkauft, die neuen Eigentümer vermieten teils an Prostituierte, obwohl sie nicht dürfen. Etwas anderes lohne sich nicht, sagen sie. Die Stadt scheint hilflos.

Im Jahr 2007 hat Herr K., der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ein Haus in der Leonhardstraße 16 gekauft, 2008 ein weiteres in der gleichen Straße und eines in der Weberstraße eine Ecke weiter. „Die Leonhardstraße 16 war eine Ruine“, sagt er. Nach der Renovierung habe man nach Mietern gesucht, allerdings habe man keine gefunden, die bereit waren, zu dem verlangten Preis in den kleinen 1-Zimmer-Appartements im Rotlichtviertel zu wohnen. Seit Juni vermietet er nun an Prostituierte. Obwohl das nicht erlaubt ist, Herr K. hat wie alle Käufer eine derartige Auflage der Stadt akzeptiert. Lohnenswert ist es dafür. Abgerechnet wird im Rotlichtmilieu tageweise, 100 Euro pro Tag kann ein Vermieter für ein Zimmer verlangen. Die Stadt befürchtet, Herr K. wolle auch seine anderen beiden Objekte, die vorher der städtischen Wohnungsgesellschaft SWSG gehörten, an Damen aus dem Gewerbe vermieten. Gegen Vorwürfe, er versuche deshalb, die jetzigen Mieter rauszuekeln, wehrt sich K. jedoch. Er habe diesen lediglich angeboten, die Umzugskosten zu übernehmen, falls jemand bereit sei, auszuziehen. Tatsache ist: Verdient ist mit den beiden Objekten derzeit anscheinend nicht viel. Herr K. würde sie jedenfalls am liebsten wieder loswerden. „Ich habe der Stadt angeboten, die Leonhardstraße 6 und die Weberstraße 9 zurückzukaufen, wenn sie auch die Leonhardstraße 16 nehmen.“ Das jedoch habe die Stadt abgelehnt. „Wenn die Stadt schon kein Interesse daran hat, weil sie das Gebäude nicht lohnend vermieten kann, wie soll dann ein privater Investor das schaffen?“ fragt K. Diese Erfahrung hat auch die Sozialwert gGmbH gemacht, der am Leonhardsplatz ein Haus mit Künstlergalerie gehört. Als die Stadt drei Häuser in der Weberstraße, unter anderem das ehemalige Spielzeugmuseum, anbot, kaufte man auch diese. „Ich dachte, das Viertel macht eine gute Entwicklung“, sagt der Geschäftsführer. Eine Weile hätte man an Studenten-WGs vermietet, das sei aber nicht lange gut gegangen. Nun hat man ein Objekt an den Wirt der Gaststätte Edelweiß verkauft, die zwei anderen stehen noch zum Verkauf. Dass die Stadt überhaupt ihre Gebäude im Viertel verkauft hat, war nach Ansicht vieler ein Fehler. Auch Detlef Kron vom Stadtplanungsamt sagt deutlich: „Das hatte nicht unsere Zustimmung.“ Nun ist es aber schon geschehen, und Auflagen werden von den neuen Eigentümern nicht eingehalten. „Konsequent wäre es, die Verkäufe rückabzuwickeln“, so Kron. Dem Stadtplaner geht es dabei nicht darum, die Prostitution aus der Altstadt zu verbannen. „Eine Großstadt braucht so etwas.“ Allerdings müsse man darauf achten, dass solche Viertel nicht zur Schmuddelecke der Stadt werden. Das Leonhardsviertel ist seit 13 Jahren Sanierungsgebiet. Städtische Zuschüsse für Investoren gibt es zwar keine mehr, jedoch steuerliche Vorteile. Damit allerdings, so Kron, fördere man derzeit indirekt das Rotlichtgewerbe. Thomas Barth, stellvertretender Bezirksbeirat in Stuttgart-Mitte, spricht sich für einen runden Tisch mit allen Beteiligten aus. „Die Stadt kann nicht einerseits Objekte verkaufen und das Viertel damit aufgeben, und dann auf Leute wie Herrn K. einhauen“, findet er. Stattdessen solle man gemeinsam an einem Nebeneinander von Prostitution, Kleingewerbe und Wohnen arbeiten. Schade findet er es, dass man ein so schönes altes Viertel verkommen lasse. „Es gibt schließlich noch etwas anderes als Stuttgart 21 und neue Einkaufszentren.“ Das Quartier aufzuwerten, ist auch Wunsch des Stadtplanungsamtes. Denn es gibt Pläne, das Züblin-Parkhaus abzureißen und an der Stelle innerstädtisches Wohnen zu verwirklichen. Attraktiv ist das jedoch nur, wenn auch das Umfeld stimmt. „Es ist möglich, was draus zu machen“, ist sich Barth sicher. Der Schwäbische Heimatbund immerhin, der seine Büros in der Weberstraße hat, fühlt sich dort nach wie vor wohl. Auch Christina Beutler, Wirtin der Weinstube Fröhlich in der Leonhardstraße, sieht bei allen Problemen auch positive Entwicklungen. „Der BIX Jazzclub hat für eine Aufwertung gesorgt.“ Und mit der Cocktailbar FouFou in der Leonhardstraße 13 haben sich erst vor kurzem wieder neue Gastronomen ins Viertel gewagt.

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(Quelle: ez-online.de)

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