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Mittwoch 11. Februar 2009, 01:06 Uhr
Sex-Burg im Wohnviertel?
München - Aufruhr im Münchner Norden: Ein Investor
will eine ehemalige Fabrik in ein Hotel mit Bordell umbauen.
In einer ehemaligen Medikamentenfabrik an der Freisinger
Landstraße (Freimann) sollen 20 Bordell- sowie 160 „Hotel“-Zimmer
eingerichtet werden. Der Freimanner Bezirksausschuss (BA 12)
ist sich sicher: „Hier soll ein Riesen-Bordell entstehen.
Die einhellige Meinung der Stadtteilpolitiker: „In unserem
Wohnviertel hat so etwas nichts zu suchen.“
Heute Abend wird sich der Unterausschuss des BA12 mit folgendem
Tagesordnungspunkt befassen müssen: „Freisinger
Landstraße 74; Nutzungsänderung bestehender Büro-
und Produktionsgebäude in ein Bordell und ein Hotel –
Antrag auf Vorbescheid“. Der BA-Chef Werner Lederer-Piloty
(SPD) befürchtet: „Der Investor wird hier kaum
ein völlig normales Hotel planen, in dem nebenbei noch
ein Bordell läuft.“ Zumal der Investor schon einmal
einen Antrag gestellt habe, in dem von einem einzigen Großbordell
die Rede war. Der neue Bauantrag würde demnach nur eine
kosmetische Änderung beinhalten.
Ein Großbordell mit 180 Zimmern? So etwas dürfte
in Europa einmalig sein. Das "Pascha" in Köln
wirbt, mit seinen 126 Liebesdamen-Apartments, das „größte
Laufhaus Europas“ zu sein.
Die Freimanner Stadtteil-Politiker sind entsetzt: „So
eine Institution hat hier in unmittelbarer Nachbarschaft unseres
Wohngebiet nichts zu suchen“, empört sich Lederer-Piloty.
Und der für die CSU im Unterausschuss Bauen des BA 12
sitzende Gerd Schäffler schimpft: „Genau gegenüber
dieses geplanten Hauses befindet sich eine Schulbushaltestelle.
Ein Bordell ist nicht gerade der Anblick, den man seinen Kindern
täglich bieten will.“ BA-Chef Lederer-Piloty findet:
„Wir haben in unserem Stadtteil ähnliche Einrichtungen.
Warum werden sie nicht besser in der Stadt verteilt? In Bogenhausen
oder Solln fehlen solche Betriebe noch.“
Die Frage ist, was die bereits bestehenden Etablissements
des horizontalen Gewerbes von der künftigen Konkurrenz
halten. Michael H. (43), Manager des „Pascha“
München mit Sitz in Trudering zur tz: „Die Pläne
sind mir völlig neu. Unsere Gruppe hat mit diesem Projekt
nichts zu tun.“
Branchenkenner glauben jedoch, dass der Markt für die
käufliche Liebe in München gesättigt ist. „Wo
soll die Kundschaft für 180 Damen rund um die Uhr auf
einmal herkommen?“, sinniert der Besitzer eines Laufhauses
im Euro-Industriepark. „Ich kann mir auch nicht vorstellen,
dass ein Laufhaus in in dieser Größe genehmigt
wird.“
Rotlicht-Szene in der Krise
In Münchens größtem Laufhaus, dem "Caesar's
World" am Stahlgruberring, haben sich die Pläne
für das Mega-Bordell in Freimann längst herumgesprochen.
„Wir sind aber sehr gelassen und warten erstmal ab,
ob das alles auch so durchgeht“, sagt Geschäftsführer
Wolfi. Das Laufhaus in Trudering ist drei Stockwerke hoch,
hat 33 Liebeszimmer und steht in einem Gewerbegebiet. In unmittelbarer
Nachbarschaft gibt es viele andere Sex-Clubs wie das Pascha
oder das Hunter exclusive.
Das Sex-Gewerbe ist ein hartes Geschäft. Mehr als 200
legale Bordelle, Sex-Clubs und Laufhäuser kämpfen
in München um Kundschaft. Konkurrenz bekommen die Etablissements
zunehmend von Escort-Damen, die ihre Liebesdienste vor allem
im Sperrbezirk anbieten. Die Damen haben keine hohen Kosten
durch Gebäude-Pacht oder Wohnungsmiete, weil sie ihre
Freier im Hotelzimmer oder in Wohnhäusern besuchen.
Das Geschäft mit der käuflichen Liebe läuft
derzeit nicht mehr rund. Die Finanzkrise hat auch die Münchner
Rotlichtszene erwischt. Der Euro sitzt längst nicht mehr
so locker wie vor einem Jahr. Deshalb zahlen auch einige Sex-Clubs
Prämien bis zu 100 Euro an Taxifahrer, damit sie ihre
Fahrgäste zu ihnen bringen.
In Zeiten der Finanzkrise fährt das "Caesar‘s
World" aber eine andere Strategie – Werben auf
Teufel komm raus, ob im Internet oder Zeitung. „Wer
nicht wirbt, stirbt“, sagt der Geschäftsführer.
„Deshalb spüren wir die Krise noch nicht so sehr
– fünf bis zehn Prozent weniger Kunden sind es
aber schon.“
In München dürfen sich Sex-Clubs und Bordelle nur
außerhalb des Sperrbezirks niederlassen. Schwerpunkte
sind deshalb meist Gewerbegebiete, in denen Handwerksbetriebe,
Bürogebäude und Firmen stehen – wie in Obersendling,
in der Hansastraße, in der Landsberger Straße,
dem Euroindustriepark oder der Dachauer Straße.
Käuflicher Sex ist in München aber nicht nur in
Bordellen und Clubs zu haben – auch auf dem Straßenstrich
bieten sich Prostituierte an. Wie an der Ingolstädter
Straße, der äußeren Freisinger Land- oder
der Zamdorfer Straße.
Jeden Tag bieten in München rund 700 Liebesdamen ihre
Dienste an. „Der Markt in München ist eigentlich
gesättigt. Ob ein Mega-Hotel Erfolg haben würde,
wage ich sehr zu bezweifeln“, sagt ein Branchenkenner.
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(Quelle: tz-online.de)
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