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Dienstag 20. Januar 2009, 22:14 Uhr
Acht Jahre Haft für Zuhälter
aus Rumänien
Gießen (ti). Erst war er für sie wie ein Vater,
später wurde er ihr Zuhälter. Und als die 24-jährige
Tochter seiner Ex-Frau nicht mehr für ihn anschaffen
gehen wollte, machte er seine schlimmsten Drohungen war: Nach
einem gescheiterten Versuch, sie aus einem Bordell in Kleinlinden
wieder mit nach Rumänien zu nehmen, biss er der jungen
Frau ein Teil ihres linken Ohres ab und drückte ihr mit
seinen Fingern in die Augen, wodurch sie schwere Verletzungen
erlitt.
Wegen Zuhälterei, Körperverletzung, Nötigung
und versuchter schwerer Körperverletzung wurde der 37-jährige
Rumäne Marius N. gestern von der Zweiten Großen
Strafkammer des Landgerichtes zu einer Freiheitsstrafe von
acht Jahren verurteilt.
»Das ist absoluter Vernichtungswille«, erklärte
Richter Dr. Johannes Nink in der Urteilsbegründung. Wer
so handelt, tue dies im Bewusstsein: »Wenn ich sie nicht
mehr haben kann, dann eben auch kein anderer.« Mehrmals
hatte Marius N. der jungen Frau gedroht, sie zu verstümmeln
und zu töten, wenn sie nicht für ihn arbeitet. Das
tat sie vorwiegend in Nürnberg, wo er sie im Frühjahr
2007 hingeschickt hatte. Einnehmen musste sie mindestens 500
Euro am Tag beziehungsweise 1000 Euro an den Wochenendtagen.
Regelmäßig kam er in das Bordell, um sie zu kontrollieren,
hatte sich in der Nähe eine Wohnung gemietet. Im April
2008 gelang der jungen Frau erstmals die Flucht. Doch er spürte
sie auf und setzte sie erneut mit Drohungen unter Druck. Im
Mai flüchtete sie ein zweites Mal und kam nach Kleinlinden,
wo sie erneut anschaffen ging. Diesmal jedoch auf eigenen
Wunsch. Auch dort spürte er sie auf, aber sie ging nicht
mit. Er drohte ihr und dem Betreiber des Etablissements, alle
umzubringen. Die Situation eskalierte.
Der Angeklagte selbst hatte immer wieder betont, er habe
die Tochter seiner Ex-Frau aus dem Milieu befreien wollen
und sei in eine Schlägerei mit dem Kleinlindener Bordellbetreiber
und seinen Leuten verwickelt worden. Dabei habe er die 24-Jährige
aus Versehen verletzt. In den Augen von Staatsanwalt Klaus
Bender »absolut unglaubhaft« und »mit der
Realität nicht in Einklang zu bringen«. Und auch
die Zeugenaussagen während des Prozesses hatten eine
andere Sprache gesprochen. Niemand hatte eine solche Auseinandersetzung
beobachtet, von der der Angeklagte - ganz abgesehen davon
-, keinerlei Verletzungen davon getragen hatte. Bender: »Vielleicht
sollten Sie sich mal als Märchenerzähler versuchen«.
Unklar blieben im Prozess die Motive der 24-Jährigen,
die auch nach ihrer Flucht weiter als Prostituierte arbeitete.
»Wir wissen nicht, ob sie gezwungen wurde oder ob es
auch ein Stück freiwillig ist«, so Nink. Dennoch
könne Marius N. der Kammer nicht weiß machen, »dass
er nicht der Nutznießer gewesen war«. Nink: »Sie
war das schönste Mädchen, die Männer standen
bei ihr Schlage bis auf die Straße.«
Den Vorwurf des Menschenhandels hielt die Kammer nicht für
erwiesen, da die Freiheiten der 24-Jährigen noch zu groß
gewesen seien. Sie hatte einen Pass, es gelang ihr zweimal
die Flucht.
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(Quelle: giessener-allgemeine.de)
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