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Mittwoch 29. Oktober 2008, 06:02 Uhr
Zur Prostitution gezwungen und ausgebeutet
Prozess: Pinneberger Bordellbetreiber werden 128 Straftaten
vorgeworfen
Der aus Rumänien stammende Angeklagte soll der Kopf
einer internationalen Bande sein, die brutal agiert.
Pinneberg/Itzehoe - Eduard M. wirkt auf den ersten Blick
wie ein seriöser Geschäftsmann. Seine Geschäfte
waren alles andere als seriös: Der Pinneberger gilt als
Kopf einer Bande, die Frauen - teilweise unter 21 Jahren -
zur Prostitution nach Deutschland holte, einschüchterte
und ausbeutete. Außerdem wird ihm Drogenhandel vorgeworfen.
Gestern begann der Prozess am Landgericht Itzehoe.
30 Minuten benötigte Staatsanwalt Hendrik Schwitters,
die Anklageschrift zu verlesen. Sie listet 128 Straftaten
auf. 2003 soll der gebürtige Rumäne, der nun deutscher
Staatsbürger ist, die Herrschaft über die "Night
Bar 195" übernommen haben. Das Gebäude an der
Elmshorner Straße diente einst als Ruhehaus für
die Damen, die im Rellinger "Club 92" anschafften.
Als der schloss, wurde es als "Pinneberger Privat-Club"
selbst zum Bordell. Nach einer Razzia 2001 war zunächst
Schluss.
In der Nacht zum 23. Mai dieses Jahres stürmten erneut
Polizisten das Haus. Sie trafen sieben Damen, vier Freier
und Betreiber Eduard M. an. Der wurde verhaftet. Außerdem
wurden 21 weitere Objekte, darunter Privatwohnungen, ein kleines
Hotel im Kreis Segeberg und der "Aphrodite Club"
in Hamburg-Rahlstedt, durchsucht. Alle stehen in Verbindung
zur Gruppe des Hauptangeklagten.
Der verkaufte neben Sex auch Kokain an die Freier. 100 Fälle
der Anklage betreffen Drogengeschäfte. Die Damen in der
"Night Bar 195" stammten vorwiegend aus der Heimat
des Angeklagten. Weil Rumänien nicht zur EU gehört,
besaßen sie weder Arbeits- noch Aufenthaltserlaubnis.
Um ihren Status zu legalisieren, organisierte Eduard M Ehen
mit Deutschen. Elf solcher Fälle zählt die Anklage
auf.
Sie liefen stets nach demselben Muster ab: Der Angeklagte
chauffierte die heiratswillige Dame nach Dänemark, wo
sie erstmals auf ihren Bräutigam traf. 8000 Euro kassierte
der 41-Jährige von der Braut, die dank der Heiratsurkunde
von der Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis
erhielt und weiterarbeiten konnte. Drei Viertel der Erlöse
aus dem Geschäft mit dem Sex, so die Anklage, mussten
die Damen an ihren Zuhälter abtreten.
Und wenn sie aussteigen wollten, wurden sie laut Anklage
bedroht. Eduard M. suchte eine Prostituierte in Rumänien
auf und kündigte an, sie und ihren Sohn niederzumachen,
wenn sie nicht nach Pinneberg zurückkehrt. In einem anderen
Fall kündigte er an, sexuelle Aufnahmen der Frau ihren
ahnungslosen Verwandten in der Heimat zu überlassen.
Im "Moin Moin Club" in Ricklingen soll Eduard M.
zudem einen Konkurrenten verprügelt und gedroht haben,
ihm die Füße abzuschneiden und an den Beinen im
Wald aufzuhängen. Um seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen,
soll er ein Messer in eine Türschwelle gerammt haben.
Nach Verlesung der Anklageschrift wurde das Verfahren auf
den 10. November vertagt. Noch "pokert" Verteidiger
Norbert John, ob sein Mandant zur Sache aussagt. Ein Geständnis
könnte die Höhe der Strafe reduzieren. Bleibt der
Angeklagte stumm, folgen umfangreiche Zeugenvernehmungen.
Teilweise müssten Ex-Prostituierte aus ihrer Heimat zum
Prozess gebracht werden. Ein anderes Problem besteht darin,
dass viele Zeugen sich selbst strafbar gemacht haben und daher
die Aussage verweigern könnten.
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(Quelle: abendblatt.de)
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