|
Mittwoch 25. Juni 2008, 05:59 Uhr
Alter Schwede! Und ab ins dänische
Bordell
Sie gilt als Meisterstück skandinavischer Ingenieurkunst
und als steinernes Symbol der Völkerverbindung: Die Öresundbrücke
zwischen dem schwedischen Malmö und dem dänischen
Kopenhagen, die längste Schrägseilbrücke für
Straßen- und Eisenbahnverkehr.
Hamburg/London - Doch den schwedischen Behörden ist
das Bauwerk in gewisser Hinsicht etwas zu völkerverbindend.
Das fast acht Kilometer lange Bauwerk hat sich nämlich
zu einer Rennstrecke für schwedische Freier entwickelt,
die auf der dänischen Seite ein Schäferstündchen
in den Armen dortiger Huren genießen wollen.
Denn Schweden hat seit 1999 ein umstrittenes Gesetz, das
den Kauf von Sex unter Strafe stellt, nicht aber den Verkauf.
Die Prostituierten selber bleiben ungeschoren, ihren Freiern
dagegen blühen hohe Geldstrafen und sogar Haft bis zu
einem halben Jahr. Die Bescheide werden den Männern nach
Hause zugestellt - was bereits zu etlichen zerrütteten
Ehen geführt hat.
Wie die Londoner "Times" schrieb, nähere sich
Schweden bei der Verfolgung der Freier einem orwellschen "Big-Brother-Staat".
So überwache die Polizei die Eingänge zu Modell-Wohnungen
und Bordellen mit Kameras und spüre den kontaktfreudigen
Freiern auch mittels Lauschangriffen nach. Millionen Kronen
sind in die Überwachungstechnik und das sie bedienende
Personal geflossen.
Das von Frauenrechtlern frenetisch gefeierte Gesetz, das
inzwischen auch von Finnland übernommen wurde und demnächst
in ähnlicher Form wohl auch in Norwegen eingeführt
werden dürfte, hat die schwedische Prostitution wie erwartet
in den illegalen Untergrund getrieben, wo die Huren nun viel
stärker Zuhältern und Menschenhändlern ausgeliefert
sind. Die Geschäfte auf der Straße sind nach schwedischen
Polizeiangaben um 80 Prozent gesunken - um in Spelunken und
Hinterzimmern fortgesetzt zu werden. Allerdings nimmt die
Polizei zugleich an, dass die Zahl der Prostituierten in Schweden
von 2500 auf rund 1500 gesunken ist.
Auf der dänischen Seite jedoch hat sich das horizontale
Gewerbe inzwischen auf die Bedürfnisse einsamer schwedischer
Männer eingestellt. Allein in Kopenhagen hat sich die
Zahl der Huren auf geschätzte 6000 verdoppelt, darunter
dürften auch viele schwedische "Gastarbeiterinnen"
sein. Wie die "Times" schrieb, prallten bei dieser
Problematik zwei unterschiedliche politische Kulturen aufeinander
- die liberale dänische und die staatlich-striktere schwedische.
Hier hätten zwei Wohlfahrtsstaaten ganz unterschiedliche
Vorstellungen über den richtigen Weg nach Utopia. So
hat Dänemark die Prostitution bewusst entkriminalisiert,
um den Frauen bessere Ausstiegsmöglichkeiten zu geben
und Zuhältern das Wasser abzugraben. Das Londoner Blatt
zitierte "Carl", einen erotisch umtriebigen Schweden,
der es sich im Kopenhagener "Spunk Club" wohl sein
lässt, mit den Worten: "Hier fühle ich mich
frei."
zurück
(Quelle: abendblatt.de)
|