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Donnerstag 2. Oktober 2008, 09:02 Uhr
Ehemaliger Bordellchef will Bürgermeister
von Bangkok werden
Bangkok (AP) Vor ein paar Jahren hat Chuwit Kamolvisit viel
Geld verdient mit dem Betrieb von Bordellen, getarnt als Massagesalons.
Jetzt ist er als Saubermann in die Politik eingestiegen und
kandidiert am kommenden Sonntag für das Amt des Bürgermeisters
in der thailändischen Hauptstadt Bangkok.
Nach dem wochenlangen Wahlkampf sehnt sich der 47-jährige
Geschäftsmann nach seinem früheren Leben zurück:
«Politik ist so schmutzig, so hässlich»,
klagt Chuwit. «Ich würde lieber im Nachtklub sitzen,
eng umgeben von Mädchen, und Zigarren rauchen sowie Sekt
und Cognac trinken. Das war das perfekte Leben.»
Jetzt aber ist Chuwit zu einem Feldzug gegen Heuchelei und
Täuschung angetreten: «Ich sage die Wahrheit. Wenn
ihr die Wahrheit hören wollt, dann hört mir zu.»
Gemessen an den jüngsten Umfragen sind aber nicht allzuviele
Wähler beeindruckt von dem, was sie bei Chuwit zu hören
bekommen. Zwar erregt der schillernde Kandidat Aufmerksamkeit,
wohin er auch kommt. Aber favorisiert ist Amtsinhaber Apirak
Kosayodhin, der aus dem Mobilfunkgeschäft kommt und mit
30 Prozentpunkten vorn liegt.
Als Sex-Unternehmer beschäftigte Chuwit etwa 1.300 Frauen
in einer Kette von Bordellen, die sich als Massagesalons ausgeben
mit so bezeichnenden Namen wie «Victoria's Secret»
oder «Emmanuelle». Prostitution ist illegal in
Thailand, aber weit verbreitet und von den Strafverfolgungsbehörden
kaum bedrängt.
Chuwitt kennt die Korruption
Chuwit machte 2004 Schlagzeilen, als er öffentlich machte,
was hochrangige Polizisten so alles von ihm bekamen: Rolex-Uhren,
freie Dienste seiner Mädchen und «Geld in einem
Müllsack, weil es für einen Umschlag zu viel war».
Danach verkaufte er seine Etablissements und betreibt nun
ein Hotel.
Die Wahlkampfthemen in der Sechs-Millionen-Einwohner-Stadt
liegen auf der Straße: Verkehr und Umweltschutz nehmen
breiten Raum ein, auch über die Schulpolitik wird heftig
gestritten. Dabei hat der Gouverneur, wie der offizielle Titel
des Bürgermeisters von Bangkok lautet, kaum eigene Handlungsmöglichkeiten.
Die Zentralregierung kontrolliert alle Mittel für die
wichtigsten Dienste in der Stadt.
Chuwit ist in Bangkok nicht gerade populär. Aber einige
sagen, dass er gut in das schmutzige Geschäft der Politik
in Thailand passt. «Ich glaube, dass kein thailändischer
Politiker sauber ist», sagte der 40-jährige Tam
Sompon. «Ein anständiger Werdegang garantiert nicht,
dass ein Kandidat im Amt nicht korrupt sein wird. Ich werde
Chuwit wählen, weil er reibungslos und aggressiv für
uns arbeiten kann.» Chuwit zuckt die Schultern, wenn
sich jemand an seinen früheren Geschäften stört.
«Das Sex-Business ist kein Problem», meint er.
«Wenn man keinen Sex hat, das ist ein Problem.»
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