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Mittwoch 31. Januar 2007, 16:12 Uhr
Sex im Ost-West-Vergleich
Staßburg (ddp). Glaubt man den Statistiken, dann liebten
die DDR-Bürger besser und häufiger. Arte widmet sich am
Freitag (ab 22.15 Uhr) mit einem Themenabend diesem pikanten Kapitel
deutsch-deutscher Geschichte. Die Dokumentationen «Liebte
der Osten anders? Sex im geteilten Deutschland», «Pornografie
made in GDR» und «Leipzig - Sex and the city»
enthüllen so manches Detail über die angeblich teils gravierenden
Unterschiede im Liebesleben in Ost und West.
Der Film «Liebte der Osten anders?» lässt keinen
Zweifel:
Natürlich liebte er anders. Der Film analysiert das Auseinanderdriften
der Menschen in der DDR und im Westen beim Thema Sex - von der Zeit
nach dem Krieg bis zur Wende. Und er gibt mögliche Antworten
auf die Frage, warum eigentlich die Liebe im Arbeiter-und-Bauern-Staat
so viel freier war als beim Klassenfeind im Westen.
Es sind die Frauen, die im Osten eine ganz andere Position in
der Gesellschaft hatten. Während man sich in den 50er Jahren
zwischen Garmisch und Sylt noch in der Bräuteschule auf das
Dasein am Herd vorbereitete, arbeiteten die DDR-Frauen, bekamen
sehr früh Kinder und hatten oftmals das Sagen - auch im Bett.
Obwohl Pornografie und Prostitution in der DDR offiziell untersagt
waren, drehten Amateurfilmer aus den volkseigenen Betrieben nicht
nur Streifen über die Planerfüllung, sondern auch aufreizende
Softsex-Filmchen wie «Der flotte Dreier», die sich dann
die «Anhänger von Unzucht und Pornografie» in Hinterzimmern
anschauten. Mangels anderer Alternativen konnte es passieren, dass
Arbeiter der örtlichen Milchviehanlage nach Feierabend schon
mal als Amateur-Porno-Darsteller vor der Kamera posierten. Gern
wurden auch aus dem Westen geschmuggelte Pornohefte oder -filme
kopiert und an die Porno-Fangemeinde verteilt, wie der Streifen
«Pronografie in der DDR» (23.10 Uhr) zeigt.
Für die Dokumentation «Leipzig - Sex and the city»
(23.55 Uhr)haben die beiden Autoren umfangreiche Recherchen darüber
angestellt, was zweimal im Jahr zur Leipziger Messe zwischen Ost-Frauen
und Geschäftsmännern aus dem Westen passierte. Das reichte
vom Flirt über käuflichen Sex gegen harte Devisen bis
hin zur ganz großen Liebe. «Die Luft hat geknistert
zur Messe», erinnert sich die Leipzigerin Heidi Wittwer, die
mit ihrem Striptease für zahlungskräftige Westmänner
in Hinterzimmern während einer Messe so viel verdiente, dass
sie sich davon ein begehrtes Auto kaufen konnte.
Wenn in Leipzig Messe war, wurden Hausfrauen und Studentinnen zu
Vamps, die für Westgeld und edle Geschenke schon mal die Moral
zeitweilig über Bord warfen. «Sie waren ohne Scham oder
Zurückhaltung. Sie gaben sich einfach hin», formuliert
ein Geschäftsmann aus dem Westen dieses Phänomen.
Was so mancher noch nicht wusste: Die Stasi nutzte das Getümmel
und erpresste im großen Stil Prostituierte, für sie zu
arbeiten. Häufig standen die Damen vor der Wahl, ins Gefängnis
oder im Auftrag der Stasi anschaffen zu gehen und brisante Informationen
über ihre Freier an den Geheimdienst weiterzugeben.
Alle Filme enden mit den langen Schlangen vor den westdeutschen
Pornoläden, die kurz nach der Wende für die Ostdeutschen
so interessant waren. Damit schließt sich der Kreis langsam
wieder. Auch wenn der Leipziger Sexualforscher Kurt Starke heute
noch immer Unterschiede im Sex- und Partnerschaftsverhalten zwischen
Ost und West ausmacht, so werden diese immer geringer. Ost und West
gleicht sich in diesem Punkt so langsam an.
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