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Dienstag 22. Mai 2007, 08:46 Uhr
Eine neue Chance für Prostituierte
Nackte Menschen sind für sie absolut nichts Neues –
in einem Dortmunder Projekt werden Prostituierte erfolgreich zu
Altenpflegerinnen umgelernt. Die Pflege sei der nächste logische
Schritt nach dem Sex-Job, meint die Leiterin der Umschulung.
Als ausweglos gilt die Lage vieler Prostituierter, die aussteigen
wollen, doch die 34 Jahre alte Melanie hat es geschafft. In der
Dortmunder Mitternachtsmission erzählt die Mutter von zwei
Kindern, wie sie im Rahmen des Projektes ProFridA gelernt hat, sich
um alte Menschen zu kümmern.
Ihr Altenpflege-Praktikum dürfte bald in ein Anstellungsverhältnis
umgewandelt werden. Insgesamt 74 Frauen nehmen an der Initiative
teil, die Prostituierten und Gewaltopfern die Chance auf einen Neuanfang
geben will. Melanie freut sich vor allem über „den ganz
anderen Respekt“, den sie jetzt von ihren Kunden erfährt.
Der Job als Altenpflegerin ist nicht weit von bezahltem Sex entfernt
Sie kümmere sich um drei ältere Herren, erzählt
Melanie. Sie kommt zu ihnen nach Hause, wäscht sie und zieht
sie an. „Jetzt werde ich bezahlt und ich sage ihnen was zu
sie zu tun haben“, sagt die junge Frau mit den müden
blauen Augen grinsend. Doch abgesehen von dem neuen Ansehen, das
die Ex-Prostituierten genießen, ist der Job in der Altenpflege
nach Einschätzung von Gisela Zohren, einer der Projektleiterinnen,
nicht so weit von dem des bezahlten Sex entfernt. „In der
Pflege muss man gut mit Menschen umgehen können, man hat oft
mit nackten Menschen zu tun, man kümmert sich um Menschen –
es ist der nächste logische Schritt“, findet Zohren,
die selbst 20 Jahre lang im Sex-Geschäft arbeitete.
Und ein Ausstieg ist das, was die meisten Prostituierten wollen.
Es gebe nur wenige, denen dieser Job wirklich Spaß mache,
meint Melanie. Die meisten wollten ’raus. Aber allein ist
das nur schwer zu schaffen, weiß Rita Kühn von der Diakonie
Westfalen, Chef-Koordinatorin des Projekts.
Von den Frauen wird kein direkter Ausstieg verlangt
Deshalb stand am Anfang die Idee, aus möglichst vielen existierenden
Einrichtungen ein Netzwerk zu schaffen, das den Aussteigerinnen
auf möglichst vielfältige Weise helfen kann: Bildungsträger,
Unternehmen, Frauenhäuser, Beratungsstellen. „Die Frauen
werden während der ganzen Maßnahme kontinuierlich begleitet,
beraten und gecoacht“, sagt Kühn. Und es funktioniert:
Bis jetzt ist keine Frau aus dem Programm ausgestiegen.
Ein entscheidender Faktor sei dabei auch die Tatsache, dass von
den Frauen kein sofortiger Ausstieg verlangt werde, um am Programm
teilzunehmen, sagt Renate Nöbe von der Initiative Madonna in
Bochum. Zwanzig Monate dauern die Fortbildungen und Beratungen,
bei denen es zunächst um eine Basisqualifizierung in EDV, Deutsch,
Englisch und Buchhaltung geht, bevor eine fachliche Qualifizierung
im kaufmännischen Bereich oder der Altenpflege angeschlossen
wird.
Die Nachfrage sei überwältigend, sagen die Organisatorinnen.
Finanzhilfen der EU und des Landes Nordrhein-Westfalen von 1,1 Million
Euro machen das Projekt möglich. Ein neuer Jahrgang von Aussteigerinnen
könnte im Januar 2008 beginnen – sobald die Finanzierung
gesichert ist
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(Quelle: welt.de)
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