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Samstag 11. August 2007, 06:29 Uhr
Im Krieg auf dem "Rotlichtmarkt" fliegen immer öfter Brandsätze

Elf mysteriöse Vorfälle – die Magdeburger Kripo schreibt sie der organisierten Kriminalität zu

Ende vergangenen Jahres ist offenbar ein Kampf zwischen konkurrierenden Gruppen im Rotlichtmilieu ausgebrochen. Elf Vorfälle schreibt die Polizei der Auseinandersetzung um den begehrten Rotlichtmarkt zu. Die harmlose Variante : Prostituierten werden Kakerlaken zugeschickt oder Buttersäure im Haus verschüttet. Inzwischen hat sich der Ton im Milieu aber verschärft. Viermal wurden bereits Brandsätze geworfen und zwei " Massage-Salons " überfallen.

Magdeburg. Die Handschrift ist eindeutig. Ein so genannter Molotowcocktail ( eine mit Benzin gefüllte Flasche und einem darin befi ndlichen durchtränkten Lappen als Zünder ) landet am Sonntagmorgen, dem 5. August, in einer sogenannten Bordellwohnung in der Annastraße. Nur weil Zeugen die Tat beobachtet hatten und sofort die Feuerwehr alarmierten, konnte Schlimmeres verhindert werden.

Es ist bereits der vierte Fall dieser Art von Brandstiftung auf Bordellwohnungen und Erotik-Massage-Salons innerhalb dieses Jahres. Bereits am 26. April drückte ein Unbekannter in der Helmstedter Straße den Rollladen einer Parterrewohnung hoch und warf einen Brandsatz in die Zimmer. Auch hier hatten Zeugen das Feuer rechtzeitig entdeckt und die Polizei alarmiert. In der Bordellwohnung hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlags niemand auf.

Am 14. Mai und am 15. Mai versuchten gleich zweimal hintereinander Unbekannte die Scheibe eines solchen Apartments in der Schillerstraße einzuwerfen. In beidem Fällen scheiterte das Vorhaben. Beim ersten Mal landete der Molotowcocktail im Vorgarten, beim zweiten Versuch stand lediglich das Fensterbrett in Flammen.

Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass es sich bei allen Anschlägen um " Warnschüsse " innerhalb des Rotlichtmilieus handelt. Der Markt in Magdeburg ist trotz oder möglicherweise auch wegen eines fehlenden offiziellen Bordells heiß umkämpft. Nach Schätzungen von Kripochef Wolfgang Fritzlar gibt es etwa 70 bis 80 Bordellwohnungen in der Stadt. Die Vermutung der Kriminalisten : Wenn sich " Neue " in eine der Nischen drängen wollen, dann schicken die einheimischen " Hintermänner " zumeist Osteuropäer los. So soll es auch Anfang April kurz vor der Eröffnung eines Erotik-Clubs an der Berliner Chaussee gewesen sein. Unbekannte haben dort ein Feuer im Kaminzimmer gelegt. Entsprechende Drohungen im Zusammenhang mit der " Geschäftseröffnung " sollen gefallen sein. Inzwischen gibt es den Club nicht mehr. Aber nicht nur das Feuerlegen gilt im Milieu als Werkzeug, um Angst einzufl ößen. So seien einer Prostituierten bereits Kakerlaken in ihre Wohnung geschickt worden. In einem anderen Apartment haben die Täter mit Buttersäure den Freiern die Laune verdorben und den Prostituierten das Geschäft vermasselt.

Möglicherweise gibt es mehrere Stufen der Einschüchterung. Wenn die erste nicht ziehen sollte, wird zum nächst schärferen Mittel gegriffen. Wie am 22. März bei einem Überfall auf einen " Massagesalon " in der Halberstädter Straße, bei dem Mitarbeiterinnen drangsaliert worden sind.

Bei einem Überfall auf thailändische Frauen in einem Massagesalon in der Bernburger Straße am 12. April gegen 20. 45 Uhr hat die Polizei sogar zwei osteuropäische Tatverdächtige festnehmen können. Auch hier soll Einschüchterung eine Rolle gespielt haben. Die Frauen wurden von den Tätern gefesselt und misshandelt.

Auch hier liegt für die Beamten ein Zusammenhang mit den " Revierkämpfen " nahe. Dennoch will sich Kripochef Wolfgang Fritzlar zu den Hintergründen und Strukturen der konkurrierenden Gruppen bedeckt halten : " Da diese Straftaten sich im Bereich der organisierten Kriminalität abspielen, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. "

Stadtordnungsdienstchef

Gerd vom Baur sagte : " Aufgrund der Öffnung der Gesetzeslage im Bereich der Prostitution sind Bordellwohnungen zumindest ordnungsrechtlich nicht verboten. "

Lediglich Hausordnungen der Vermieter oder die Nachbarn, die dadurch nicht gestört werden dürfen, stünden dem entgegen. Er wolle das Thema aber auf einer der nächsten Ordnungsberatungen in der Stadtverwaltung auf die Tagesordnung setzen.

10. Dezember 2006 : Unbekannte legen Brand im Wirtschaftsraum eines im Bau befindlichen Erotik-Clubs in der Berliner Chaussee.

30. Dezember 2006 : Buttersäureanschlag auf Wohnungsprostituierte in der Puschkinstraße.

Januar 2007 : Erneut Buttersäureanschlag auf Wohnungsprostituierte in der Puschkinstraße.

22. März 2007 : Überfall auf erotischen Massagesalon in der Halberstädter Straße

2. April 2007 : Kurz vor der Eöffnung wird das Kaminzimmer des Erotik-Clubs in der Berliner Chaussee in Brand gesetzt.

3. April 2007 : Buttersäureanschlag auf die Bar " Nachtfi eber ".

12. April 2007 : Überfall auf thailändische Prostituierte in der Sudenburger Straße. Osteuropäische Täter gefasst.

26. April 2007 : Brandsatz wird in Bordellwohnung in der Helmstedter Straße geworfen.

14. Mai 2007 : Brandsatz wird auf Fenster einer Bordellwohnung in der Schillerstraße geworfen.

15. Mai 2007 : Erneut fliegt Molotow-Cocktail gegen die gleiche Wohnung in der Schillerstraße.

5. August 2007 : Brandsatz fliegt in die Studiowohnung " Kuschelstube " in der Annastraße.

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(Quelle: volksstimme.de)

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