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Donnerstag 4. Januar 2007, 13:45 Uhr
Laut Hilfswerk immer mehr Straßenkinder
in Deutschland
Frankfurt/Main (AP) Die Zahl der Straßenkinder in deutschen
Großstädten nimmt nach Angaben des Hilfswerks terre des
hommes zu. Derzeit gehe man von bis zu 7.000 aus, sagte der Geschäftsführer
des Kinderhilfswerks, Peter Mucke, der «Neuen Osnabrücker
Zeitung». Seit gut zehn Jahren gebe es eine deutliche Zunahme
speziell in den größeren Städten wie Hamburg und
Berlin. Die Gründe sieht Mucke auch in der Armut. Zudem gebe
es Anzeichen dafür, dass die familiären Bindungen und
die Stabilität des familiären Umfelds zurückgegangen
seien.
Die Zahl der Straßenkinder basiert Mucke zufolge auf Angaben
des Bundesfamilienministeriums. In Hamburg etwa könne man Kinder
sehen, die sich den ganzen Tag über auf den Straßen aufhielten
und teilweise auch nachts dort lebten, sagte der Geschäftsführer
von terre des hommes.
Die Organisation mit Sitz in Osnabrück ist am Donnerstag 40
Jahre alt geworden. Sie wurde am 4. Januar 1966 in Stuttgart gegründet.
Auf der Pressekonferenz zum Jubiläum von terre des hommes sagte
der Vorsitzende Peter Knauft in Stuttgart, für Kinder in Deutschland
werde es immer schwieriger. «Die Lage wird prekärer»,
sagte er. Es gebe zunehmende Gewalt, und viele Kinder lebten auf
der Straße.
Weltweit will terre des hommes in den kommenden Jahren die Kinderarbeit
verstärkt bekämpfen, wie Knauft sagte. Rund 217 Millionen
Kinder müssen nach seinen Angaben vor allem in Ländern
der Dritten Welt arbeiten, davon über 120 Millionen unter schlimmsten
Verhältnissen. «Hierzu zählen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse
wie Sklaverei und Prostitution», erklärte Knauft.
Wichtig sei die Sicherung der Bildung und Ausbildung von Kindern.
Man könne sich nicht damit zufrieden geben, dass in vielen
Ländern die Schulpflicht zwar gesetzlich verankert sei, in
der Praxis jedoch nicht existiere. Knauft verwies auf Indien: Dort
würden Lehrer schlecht bezahlt und müssten mehrere Arbeitsstellen
annehmen, um sich und ihre Familien zu ernähren. «In
Klassenräumen mit 80 bis 100 Jugendlichen, die als Kinder von
Wanderarbeitern aus unterschiedlichen Gegenden Indiens in die Metropolen
kommen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und einander nicht
verstehen, ist kein wirklicher Unterricht möglich.»
Nach Angaben der Hilfsorganisation sind weltweit in den letzten
zehn Jahren mindestens zwei Millionen Kinder in bewaffneten Konflikten
ums Leben gekommen. In wachsendem Maße seien Kinder nicht
mehr allein Opfer dieser Auseinandersetzungen, «sondern nehmen
eine Doppelrolle als Opfer und Täter ein, indem sie zwangsrekrutiert
und zum Töten gezwungen werden.» Schätzungen zufolge
seien rund 250.000 junge Menschen weltweit in Armeen oder paramilitärischen
Verbänden zwangsrekrutiert, berichtete Knauft.
In den vier Jahrzehnten seines Bestehens hat terre des hommes rund
4.500 Projekte mit insgesamt etwa 290 Millionen Euro Spenden gefördert.
Im Jahr 2005 erhielt die Organisation rund 25,9 Millionen Euro Spenden,
mit denen knapp 500 Projekte in 25 Ländern Afrikas, Asiens,
Lateinamerikas und in Deutschland gefördert wurden.
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