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Mittwoch 28. Juni 2006, 15:01 Uhr
Die Syphilis kehrt zurück
(mp) - Die Geschlechtskrankheit Syphilis kehrt zurück. Nach
Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Zahl der Syphilis-Erkrankungen
in Deutschland allein in der Zeit von 2003 bis 2004 um 20 Prozent
gestiegen. Inzwischen sind 2,8 Männer und Frauen von 100 000
Einwohnern infiziert.
Vor allem homosexuelle Männer in Ballungsgebieten sind betroffen,
aber auch zunehmend heterosexuelle Menschen. Im ersten Quartal 2006
wurden besonders aus Sachsen und dem Großraum Aachen viele
Neuerkrankungen gemeldet. Im westdeutschen Gebiet sind besonders
stark drogenabhängige Frauen betroffen, die als Prostituierte
arbeiten. Die Rate der Neuerkrankungen liegt bei ihnen mit 19 pro
100 000 Frauen fast 24 Mal so hoch wie im Bundesdurchschnitt mit
0,8 Fällen pro 100 000 Frauen.
Die meisten Betroffenen infizieren sich mit dem syphiliserregenden
Bakterium Treponema pallidum bei ungeschütztem Sex. Im Gegensatz
zu professionell arbeitenden und nicht drogenabhängigen Prostituierten
können sich die drogenabhängigen Prostituierten gegen
Freier, die ungeschützten Verkehr wünschen, oft nicht
durchsetzen. Die Frauen werden somit infiziert und tragen den Erreger
weiter. Auch die Freier sind nicht nur selbst betroffen, sondern
stecken andere Menschen wie beispielsweise die eigene Frau an.
Wie beim HI-Virus kann man sich aber nicht nur bei ungeschütztem
Geschlechtsverkehr mit Syphilis infizieren, sondern auch durch die
gemeinsame Benutzung von Injektionsbestecken beim Drogenkonsum.
Allerdings verläuft die Erkrankung dann untypisch, das erste
Stadium wird dabei übersprungen. Im normalen Verlauf erscheint
drei bis vier Wochen nach der Ansteckung an der Stelle, wo die Bakterien
in die Haut oder Schleimhaut eingedrungen sind, ein schmerzloses
Geschwür. Es ist gerötet und sondert eine farblose Flüssigkeit
ab. Da diese viele Erreger enthält, ist sie äußerst
ansteckend. Nach acht Wochen kommt es zu grippeartigen Beschwerden
und Lymphknoten am ganzen Körper schwellen an. Weitere zwei
Wochen später erscheint bei den meisten Betroffenen Hautausschlag,
der sich, wenn die einzelnen Flecken nässen, fortsetzt.
Nach ungefähr vier Monaten heilen die Hauterscheinungen ab
und die Erkrankung legt oberflächlich für Jahre eine Pause
ein. Doch im Inneren arbeitet der Erreger weiter, so dass nach drei
bis fünf Jahren alle Lymphknoten und die inneren Organe samt
Blut- und Luftwege sowie Knochen und Muskeln von ihm befallen sind.
Es bilden sich Knoten im Gewebe und auf der Haut nun mitunter große
Geschwüre. Brechen die Koten auf, zerstören sie das umliegende
Gewebe. Zu diesem Zeitpunkt ist der Erreger nicht mehr nachweisbar,
das heißt, wer erst jetzt zum Arzt geht, wird die Ursache
wahrscheinlich nicht mehr in Erfahrung bringen können. Ohne
Behandlung erkranken nach gut 15 Jahren rund 25 Prozent der Betroffenen
an chronischer Hirnentzündung, die zu Demenz führt. Bei
weiteren zehn Prozent der Syphilis-Erkrankten kommt es zu schweren
neurologischen Störungen. Doch so weit muss es nicht kommen,
denn in der frühen Phase kann Syphilis bereits durch die einmalige
Gabe von Penicillin geheilt werden. Bei Penicillin-Allergikern werden
andere Antibiotika eingesetzt.
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