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Mittwoch 25. Januar 2006, 13:54 Uhr
Erste Beratungsstelle für Prostituierte
in NÖ
In NÖ ist am Mittwoch die landesweit erste Beratungsstelle
für Prostituierte vorgestellt worden. Die vom Land finanzierte
mobile Beratung soll den Betroffenen Hilfe vor allem in Rechtsfragen
anbieten.
Prostituierte oft kaum über Rechte informiert
Prostituierte sind meist äußerst unzureichend über
ihre Rechte und andere rechtliche Voraussetzungen in ihrem Gewerbe
informiert. Zu hoch sind oft die Schwellenängste oder andere
Barrieren. Die unklare und in Österreich uneinheitliche Rechtslage
macht die Sache für die betroffenen Frauen nicht einfacher.
Die mobile Beratungsstelle "BIHF" (Beratung, Information
und Hilfe für Frauen in der Sexarbeit) soll helfen, diesen
Missstand zu beseitigen, sagt Soziallandesrätin Christa Kranzl
(SPÖ).
600 Betroffene in NÖ
Für die etwa 600 in NÖ tätigen Prostituierte stehen
laut Kranzl vor allem Fragen der Krankenversicherung und der Gesundheitsvorsorge
in ihrem Beruf im Vordergrund.
Schlecht informiert seien die Frauen oft auch, was die Anmeldepflicht
oder rechtliche Voraussetzungen für Geschäftskonten und
Steuerpflicht betreffe.
Die zusammen mit der Volkshilfe geschaffene Stelle ist über
eine Hotline erreichbar, eine Juristin sucht die Betroffenen auf
und klärt die Fragen im persönlichen Gespräch. Bei
Bedarf wird auch andere Beratung angeboten.
Unterstützung auch bei Ausstieg
BIHF soll Frauen auch beim Ausstieg aus der Prostitution unterstützen.
Die Stelle bietet psychologische Betreuung an und hilft bei der
Wiedereingliederung in ein "normales Berufsleben".
Ein spezieller Schwerpunkt wird auf Migrantinnen gelegt, die zum
Teil aufgrund von Sprachschwierigkeiten oder eines unklaren Aufenthaltsstatus
in diesem Gewerbe besonders benachteiligt sind.
Die Hotline, über die die Beratung angefordert werden kann,
ist unter der Nummer: 0676 / 83 402 277 erreichbar.
Kritik am öffentlichen Bild
Kranzl kritisiert auch den Umgang mit Prostituierten in der Öffentlichkeit.
"Prostituierte sind Teil der Gesellschaft und üben eine
wichtige präventive Funktion aus, gerade in Bezug auf Verbrechen."
Für Kranzl ist das allgemeine Bild der Prositutierten in der
Gesellschaft ein vor allem männlich geprägtes - was viel
zur Abwertung des Berufes beitrage.
"Es kann nicht sein, dass überwiegend Männer, die
die Dienstleistungen ja auch in Anspruch nehmen, nur abwertend und
müde lächeln, wenn es darum geht, Prostituierte in ein
besseres Licht zu rücken."
Gesetze sollen vereinheitlicht werden
Die Soziallandesrätin fordert auch eine bessere und vor allem
einheitliche rechtliche Absicherung in Österreich. Prostitution
wird mit Landesgesetzen geregelt, was zu neun unterschiedlichen
Regelungen in Österreich führe.
Nicht allen Bundesländern etwa würde das gleiche Mindestalter
für Prostituierte gelten. In Wien liege es bei 18 Jahren, in
NÖ bei 19, in Tirol gebe es keines. Und in manchen Bundesländern
sei Prostitution nur anzeigepflichtig, in anderen müssten sich
die Frauen vorher behördliche Bewilligungen abholen.
Auch der Begriff "Bordell" sei im Gesetzestext nicht
verankert. Klare Strukturen müssten geschaffen werden, sagt
Kranzl.
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(Quelle: orf.at)
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