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Sonntag 12. März 2006, 10:41 Uhr
Prostituierte werden zu Altenpflegerinnen
umgeschult
Hamburg/Dortmund (ddp-nrw). Ein bundesweit einzigartiger Modellversuch
wird in Nordrhein-Westfalen gestartet: Aus Prostituierten sollen
Altenpflegerinnen werden. Diese Umschulung lassen sich nach einem
«Spiegel»-Bericht das Land und der Europäische
Sozialfonds über eine Million Euro kosten.
«Ein nahe liegender Schritt», lobte Rita Kühn
von der Diakonie Westfalen dem Nachrichtenmagazin zufolge das ungewöhnliche
Ausstiegsmodell. Sie koordiniert das Projekt. Ihre Organisation
betreut deutschlandweit Seniorenheime. Prostituierte könnten
«allgemein gut mit Menschen umgehen», verspürten
kaum noch Ekelgefühle und hätten «null Berührungsängste»,
sagte sie.
Kühn will zunächst 30 Frauen zwischen 20 und 40 Jahren
knapp zwei Jahre lang über Kurse und Praktika ins neue Berufsleben
führen. In Nordrhein-Westfalen wird die Zahl der Sexarbeiterinnen
auf rund 50 000 geschätzt.
Die ehemalige Domina Gisela Zohren, die das Projekt in Dortmund
betreut, arbeitet in einer Anlaufstelle für Prostituierte.
Sie sagte dem Magazin, angesichts des zunehmenden Konkurrenzdrucks
in der Branche wolle mindestens die Hälfte ihrer Klientinnen
aus dem Rotlichtmilieu aussteigen. Die meisten könnten sich
eine berufliche Zukunft in der Altenpflege vorstellen.
Für Heinz Oberlach von der Bundesagentur für Arbeit klingt
das Projekt «sehr schlüssig». Derzeit seien bundesweit
6400 Stellen für Pflegekräfte in Seniorenheimen und bei
sozialen Hilfsdiensten als unbesetzt gemeldet, sagte er.
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