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Sonntag 9. April 2006, 12:33 Uhr
Broschüre mit Tips für Prostituierte aus der Ukraine eingezogen

Berlin (AP) Die Bundesregierung hat eine offiziöse Broschüre mit Tips für Prostituierte aus der Ukraine eingezogen. Das bestätigte eine Sprecherin des Innenministeriums am Wochenende in Berlin auf Anfrage. Das im März 2005 während der Visa-Affäre hergestellte Heft der bundeseigenen Entwicklungshilfe-Gesellschaft GTZ enthielt nach einem Bericht der «Welt am Sonntag» unter anderem den Hinweis, dass in der Bundesrepublik legale Arbeit als Prostituierte möglich sei.

Die Broschüre, die auch über das Internet abrufbar war, war dem Bericht zufolge Innenstaatssekretär August Hanning aufgefallen, der sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums erfolgreich beim Entwicklungsministerium beschwerte. Entwicklungsstaatssekretär Erich Stather, der vom ehemaligen BND-Präsidenten Hanning angesprochen worden war, vertritt sein Ressort im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

Zur Möglichkeit der Arbeit als Prostituierte rügte Hanning den Angaben zufolge unter anderem den schon allein als sprachlich unpassend kritisierten Satz: «Dies gilt aber leider ... nur für Menschen, die eine entsprechende Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis haben (z.B. auf Grund einer Ehe).»

Auch Straftatbestände seien verniedlicht worden. Zur illegalen Einreise über die grüne Grenze habe es geheißen: «Was viele Frauen machen.» Vor Hilfeersuchen bei der Polizei wurde laut Bericht gewarnt, weil die Polizei dafür sorgen müsse, dass Illegale das Land verlassen. Innenexperten hatten einen Anstieg illegaler Prostitution bei der Fußball-WM befürchtet.

Die GTZ bedauerte die «vorschnelle Herausgabe der Publikation», die wegen «redaktioneller und technischer Unzulänglichkeiten» von Stather eingezogen worden sei. Das Grundproblem Frauenhandel und Zwangsprostitution bestehe aber nach wie vor. Ziel sei es gewesen, den betroffenen Frauen zu helfen. Dies sei nach wie vor «eine notwendige und wichtige Aufgabe».

Die GTZ ist eine privatwirtschaftliche GmbH im Eigentum des Bundes. Die international angesehene Gesellschaft ist nach eigenen Angaben in mehr als 130 Transformations-, Schwellen- und Entwicklungsländern tätigt und schöpft aus 30-jähriger Erfahrung. Die Gesellschaft arbeitet mit mehreren Bundesministerien und Partnern aus der freien Wirtschaft zusammen.

Im Zentrum der Visa-Affäre hatte der Vorwurf der damaligen CDU/CSU-Opposition gestanden, die rot-grüne Bundesregierung habe mit ihrer Politik der erleichterten Visa-Gewährung massenhaftem Missbrauch Vorschub geleistet. Durch den Grundsatz «im Zweifel für die Reisefreiheit» im so genannten Volmer-Erlass aus dem Jahr 2000 soll Schwarzarbeit, Zwangsprostitution und Kriminalität gefördert worden sein.

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