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Mittwoch 1. November 2006, 16:39 Uhr
Truppeneinsatz gegen Mafia-Krieg in
Neapel?
Neapel (dpa) - In Neapel ist mit der jüngsten Mordserie ein
neuer «Krieg der Clans» ausgebrochen. Bei dem Kampf
der rivalisierenden Familien gehe es vor allem um die Herrschaft
im Drogengeschäft. «Die Clans kämpfen um die Kontrolle
der Straße, wo die Drogen verkauft werden».
Das sagte der neapolitanische Staatsanwalt Franco Roberti der Zeitung
«La Repubblica». Ministerpräsident Romano Prodi,
der am Donnerstag Neapel besucht, erwägt die Stationierung
von Soldaten. Als ersten Schritt will die Regierung 1000 zusätzliche
Polizisten in die süditalienische Stadt schicken. Bereits in
den Jahren 2004/2005 starben bei einem «Krieg der Clans»
weit über 100 Menschen.
Am Dienstagabend hatten sich in «Problemzonen» Neapels
innerhalb von zwei Stunden drei Morde ereignet, bei denen es sich
nach Ansicht von Experten eindeutig um «Abrechnungen der Camorra»
handelt. Zwei Männer, die erst kürzlich aus der Haft kamen,
wurden auf offener Straße in der Nähe einer Polizeikaserne
erschossen. Kurz darauf wurde der Besitzer eines Videoladens in
seinem Geschäft umgebracht.
«Das sind eindeutig "Hinrichtungen" nach Art des
organisierten Verbrechens», hieß es in Medienberichten.
Bereits am vergangenen Wochenende hatte eine Mordserie die Stadt
erschüttert. Staatspräsident Giorgio Napolitano, der aus
Neapel stammt, äußerte sich entsetzt. Die Stadt erlebe
«die schlimmsten Tage seit sehr langer Zeit». Allein
seit Jahresbeginn wurden in der Millionenstadt über 70 Menschen
ermordet, viele Verbrechen gehen auf das Konto der Camorra, wie
die lokale Mafia-Organisation heißt.
Um die Spirale der Gewalt zu bekämpfen, will die Regierung
zudem an «kritischen Punkten» Video-Überwachung
installieren lassen. Auch soll die Polizei in Neapel etwa mehr Motorräder
erhalten, um in engen Gassen, «Problemzonen» sowie im
Zentrum mehr Präsenz zu zeigen.
Eine Entsendung von Soldaten allerdings ist umstritten. Prodi sagte,
man müsse die Lage genau prüfen: «Dieses Mal kommt
es nicht darauf an, die öffentliche Meinung für einige
Wochen oder Monate zu beruhigen, dieses Mal wird es ein langer Kampf
sein, um die Sicherheit für die Bürger zu schaffen.»
Viele Sicherheitsexperten lehnen den Einsatz von Soldaten ab. Solche
Einsätze hätten in der Vergangenheit nichts gebracht,
meinte Innenminister Giuliano Amato. «Wir brauchen einen neuen
Plan zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Stadt.»
Experten schätzen den Jahresumsatz der Camorra-Geschäfte
auf rund 16 Milliarden Euro. Neben Drogen, Prostitution und Erpressung
seien die «Paten» bereits in viele legale Sektoren eingestiegen,
etwa ins Baugeschäft, heißt es. Insgesamt 10 000 Menschen
würden im Großraum Neapel für das organisierte Verbrechen
arbeiten, berichtete das staatliche italienische Fernsehen. Die
hohe Arbeitslosigkeit treibe der Mafia vor allem viele junge Leute
in die Arme.
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