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Dienstag 1. August 2006, 16:49 Uhr
Offenbar keine Zunahme bei Zwangsprostitution
während WM
Befürchtungen, wonach zur Fußball-Weltmeisterschaft
zusätzlich bis zu 40.000 Zwangsprostituierte nach Deutschland
geschleust werden sollten, haben sich nicht bestätigt. Von
der Polizei des Bundes und der Länder seien bislang keine zusätzlichen
Fälle von Menschenhandel und Zwangsprostitution aus Anlass
der WM festgestellt worden, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums.
Die Sprecherin der Prostituierten-Beratungsstelle Hydra, Joana Lesniak
bestätigte diese Einschätzung und bezeichnete die Kampagnen
vor und während der WM zur Zwangsprostitution als "Sturm
im Wasserglas".
Lesniak sprach von einem generell geringeren Umsatz in der Branche:
"Das Geschäft mit den Freiern war während der WM
schlechter als sonst. Die Männer sind gemeinsam Bier trinken
gegangen und haben sich gefreut am Fußball. Das haben unsere
Umfragen in Berlin und anderen Städten ergeben." Die Annahme,
dass während der WM bis zu 40.000 Frauen zusätzlich nach
Deutschland eingeschleust werden könnten, hatten Experten des
Bundeskriminalamtes (BKA) und verschiedener Nichtregierungsorganisationen
bereits vor der WM als frei erfunden bezeichnet.
Die Frauenhilfsorganisation Solwodi hatte zur WM erstmals eine
Hotline für betroffene Frauen eingerichtet. Sie wurde aber
offenbar weit weniger genutzt als erwartet. Die 20 eigens geschulten
Beraterinnen aus Osteuropa hatten nach angaben von Solwodi durchschnittlich
jeweils zehn ernstzunehmende Anrufe während der gesamten WM.
Der Frankfurter Verein Frauenrecht ist Menschenrecht (FIM) hatte
ebenfalls zur WM eine Hotline eingerichtet, bei der sich Freier
anonym melden konnten, wenn sie den Verdacht hatten, dass Frauen
nicht freiwillig als Prostituierte arbeiten. Laut FIM gingen dort
insgesamt 50 ernstzunehmende Hinweise ein, die an Beratungsstellen
vor Ort weitergegeben wurden.
Durch die EU-Osterweiterung verschärfte sich das Problem der
Zwangsprostitution nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) im
vergangenen Jahr nicht. Der höchste Anteil der ausländischen
Opfer kam aus Rumänien und Russland. Nach Schätzungen
der UN werden in Westeuropa jährlich etwa 500.000 Frauen als
Zwangsprostituierte gehandelt, 50.000 davon alleine nach Deutschland.
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