Dienstag
30. August 2005, 16:46 Uhr
Ende im Zwist
Berlin (ddp). Nach gut acht Monaten hat der Visa-Untersuchungsaussschuss
des Bundestages am Dienstag seine Arbeit eingestellt. Mit der Mehrheit
von SPD und Grünen verabschiedete das Gremium einen rund 850-seitigen
Abschlussbericht. Während Union und FDP der Bundesregierung
massive Versäumnisse vorhalten, sieht sich Rot-Grün einer
Skandalisierung ausgesetzt.
In ihrer Bewertung zieht die rot-grüne Koalition den Schluss,
dass die Visa-Politik der Bundesregierung die Sicherheit Deutschlands
nicht gefährdet habe. Auch seien Prostitution und Menschenhandel
in Deutschland durch die Visa-Vergabe nicht gefördert worden.
SPD-Obmann Olaf Scholz betonte, schon vor Einsetzung des Ausschusses
seien die Missstände beseitigt worden. «Der vermeintliche
Skandal, den die Opposition zu konstruieren versuchte, ist in sich
zusammen gefallen.» Auch Grünen-Obmann Jerzy Montag resümierte:
«Die Vorwürfe der Opposition sind vom Tisch.»
Der Ausschussvorsitzende Hans-Peter Uhl (CSU) warf SPD und Grünen
hingegen vor, im Abschlussbericht ihrer Strategie treu geblieben
zu sein, «die Rechtswidrigkeit der Visa-Erlasse dreist zu
bestreiten». FDP-Obmann Hellmut Königshaus nannte die
Bewertung der Affäre durch Rot-Grün «oberflächlich
und leichtfertig».
In ihren Minderheitenvoten bescheinigen Union und FDP der Bundesregierung
eine chaotische Arbeit. Das Auswärtige Amt und Außenminister
Joschka Fischer (Grüne) hätten durch eine ideologisch
motivierte Visa-Politik Schleppern und Menschenhändlern das
Handwerk erleichtert». Dadurch seien Schwarzarbeit sowie Ausbeutung
und Zwangsprostitution teils gutgläubiger Reisewilliger begünstigt
worden. Innenministerium und Kanzleramt seien trotz Warnungen der
Nachrichtendienste untätig geblieben.
Für den Fall eines Regierungswechsels kündigten Union
und FDP einen wirksameren Schutz vor Visa-Missbrauch an. Die Visumsvergabe
müsse neu organisiert werden, sagte Uhl und fügte hinzu:
«Es ist eine Schande, dass Deutschland auch bei der Grenzsicherung
nicht der Vorreiter, sondern der unsichere Kantonist geworden ist».
Auch Königshaus plädierte dafür, die Erlasslage zu
überprüfen und neu zu ordnen.
Der Untersuchungsausschuss hatte am 20. Januar seine Arbeit aufgenommen.
Höhepunkt war im April die live übertragene Aussage Fischers,
der persönliche Fehler einräumte. Als letzter Zeuge war
Mitte Juli Innenminister Otto Schily aufgetreten. Wegen der vorgezogenen
Neuwahlen hatte der Ausschuss die Beweisaufnahme vorzeitig eingestellt.
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