Montag
23. Mai 2005, 13:19 Uhr
Hoffmann soll Mithäftling weiteren Mord
gestanden haben
Stade (dpa) - Der mutmaßliche Mörder der achtjährigen
Kinder Levke und Felix soll seinem früheren Mithäftling
auch die Tötung der kleinen Adelina gestanden haben. Das hat
am Montag im Prozess vor dem Landgericht Stade ein Polizist ausgesagt,
der den einstigen Zellengenossen vernommen hatte.
Diesem gegenüber habe der 31 Jahre alte Marc Hoffmann die
Tat mit den Worten «Da bin ich noch mal schwach geworden»
zugegeben. Die zehnjährige Adelina aus Bremen war im Juni 2001
verschwunden. Ihre Leiche wurde im Oktober 2001 gefunden.
Hoffmann hat gestanden, die Kinder Levke und Felix im vergangenen
Jahr verschleppt, sexuell missbraucht und dann getötet zu haben.
Gegenüber der Polizei hat er nach Aussagen eines zweiten Beamten
bei fünf Vernehmungen weitere Verbrechen aber bestritten und
erklärt, er habe bereits «reinen Tisch gemacht».
Es gebe «nichts mehr zu gestehen». Hoffmann habe auch
gesagt, er habe mit Adelina «nichts zu tun», berichtete
der Ermittler. Als das Gespräch auf diesen Fall gekommen sei,
habe Hoffmann «emotional sehr stark reagiert» und die
Vernehmung abgebrochen.
Erstmals erzählten die Beamten am Montag im Detail, welche
angeblichen weiteren Verbrechen Hoffmann dem Mithäftling nach
dessen Aussagen gestanden hat. Danach soll der Angeklagte auch Morde
an einem Mädchen und einem Jungen in Ostdeutschland zugegeben
haben. Den Jungen hat er angeblich an einer Autobahnraststätte
vergraben. Auch von Morden an zwei Anhalterinnen habe er gesprochen.
Eine will er in Bremerhaven erschossen, die andere bei Schwerte
in bewusstlosem Zustand vergraben haben. Zusammen mit einem Freund
habe er zudem eine junge, betrunkene Frau in Bremerhaven vergewaltigt,
durch einen Kopfschuss getötet und die Leiche dann mit einer
Handgranate verstümmelt.
Die Angaben des Mithäftlings seien aber örtlich und zeitlich
sehr unkonkret gewesen, berichtete der Polizist. Dieser habe sich
durch die Aussage offenbar Vorteile für seinen eigenen Prozess
erhofft. Hoffmanns Anwälte beantragten, weitere Zeugen aus
seiner Heimat im Sauerland zu laden, unter anderem den wichtigsten
Spielkameraden aus seiner Kinder- und Jugendzeit. Die Zeugen würden
aussagen, dass Hoffmann schon damals «massive Verhaltensauffälligkeiten
hinsichtlich seiner sexuellen Entwicklung» gezeigt habe. Der
frühere Spielkamerad werde auch von «pädophilen
Übergriffen» von Hoffmanns Vater berichten, sagte der
Verteidiger Jost Ferlings.
Aus den Vernehmungen berichteten die Ermittler, dass Hoffmann regelmäßig
zu Prostituierten auf dem Straßenstrich von Bremerhaven gegangen
sei. Seinen Angaben zufolge hat er dort «viel Geld gelassen»
und «versucht, Stress abzubauen». Das Gericht will auch
eine Prostituierte aus Hamburg als Zeugin laden, die als Domina
gearbeitet hat. Sie hatte sich an das Gericht gewandt und erklärt,
Hoffmann sei 2003 sechs bis sieben Mal bei ihr gewesen und habe
beim ersten Besuch Fotos mit Kinderpornografie dabei gehabt.
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