Mittwoch
18. Mai 2005, 13:24 Uhr
Mord wegen einer Corvette?
Neue Details im "Miko"-Prozess
Karlsruhe - Der Prozess um den Mord am Karlsruher Hells Angels-Chef
bringt neue Details um das Gewaltverbrechen ans Tageslicht. Nachdem
Helmut "Miko" M. in einem Karlsruher Café erschossen
wurde, sollen seine Freunde und Bekannte massiv bedroht worden sein.
Nach Aussagen der Zeugen soll an einige Handys die SMS "Euer
Gott ist tot. Falscher Glaube wird bestraft" geschickt worden
sein. Zudem berichtete eine langjährige Freundin von Miko über
telefonische Drohanrufe. Unbekannte drohten, ihr Gesicht mit Säure
verbrennen zu wollen.
Der Anwalt einer der Hauptangeklagten war am gestrigen Tag noch
mit einem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Hans
Fischer gescheitert. Erneut war in der Verhandlung wieder das gescheiterte
Bruchsaler Bombenattentat Thema der Zeugenaussagen. Mikos ehemalige
Freundin sagte aus, der Getötete habe nach dem Attentatsversuch
die Vermutung gehabt, der jüngere der beiden Hauptangeklagten
stecke dahinter. Nach dem Versuch habe Miko mit ihr gesprochen um
sie über den Ärger mit dem Hauptangeklagten zu informieren.
Die beiden hätten nach Angaben der Zeugin ein "Stadtverbot"
erhalten.
Corvette oder Prostituierte?
Zum Motiv für den Mord erklärte die Zeugin, sie habe
gehört, dass einer der Hautpangeklagten einem Freund von Miko
eine Prostituierte ausgespannt habe und nicht die im Zuhältermilieu
übliche Abstandszahlung geleistet habe. Bei der Aussage eines
Polizisten wirkte einer der Hauptangeklagten sichtlich nervös.
Der Beamte sagte aus, dass es bei der ganzen Sache um die bereits
erwähnten Abstandszahlungen für eine Prostituierte aus
Pforzheim gegangen sei. Besagte Frau ist die ehemalige Freundin
eines Kumpels von Miko und jetzige Lebensgefährtin des jüngeren
der beiden Hauptangeklagten.
Ein weiterer Zeuge und Freund Mikos berichtete, dass es nach dem
Tod Mikos neben den anonymen Drohungen per SMS wohl auch zu Handgreiflichkeiten
zwischen einem Mitglied der Karlsruher Hells Angels und einem der
beiden Hauptangeklagten gekommen sei. Die Summe, um die es bei dem
Streit ging, belief sich auf 11.500 Euro. Soviel forderte der Freund
Mikos von dem jüngeren der beiden Hauptangeklagten. Doch nicht
als "Ablöse" für die Prostituierte, sondern
im Zusammenhang mit einer Corvette.
Das Auto wurde, nachdem sich die Freundin von Mikos Freund abgewandt
hatte, von ihr und einem der Hauptangeklagten verkauft. Der ehemalige
Lebensgefährte der Prostituierten behauptet, er habe das Auto
zusammen mit seiner ehemaligen Freundin gekauft, es wäre zum
Teil seine Corvette gewesen. Mit seinem Freund Miko hat er über
den Verlust der Corvette gesprochen, der sich daraufhin einschaltete.
(hok)
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