Dienstag
17. Mai 2005, 13:35 Uhr
Angeklagter schweigt zum Prozessauftakt
Köln (ddp-nrw). Vor dem Kölner Landgericht muss sich
seit Dienstag ein 39-jähriger Gärtnereigehilfe wegen Mordes
verantworten. Der Mann hatte im November vergangenen Jahres in der
Kölner Innenstadt als Stammkunde eine 55-jährige Prostituierte
aufgesucht und die Frau, nachdem sie ihn beim Diebstahl ihrer Geldbörse
erwischt hatte, mit neun Messerstichen erstochen.
Nachbarn hatten aufgrund der Hilfeschreie des Opfers die Polizei
alarmiert. Der Angeklagte war den Beamten noch an der Haustür
in die Arme gelaufen und hatte am Tatort gestanden, die Frau erstochen
zu haben. Den verdutzten Beamten hatte er erklärt, dies sei
«nicht sein erster Mord gewesen». In der Tat war der
Mann als Jugendlicher wegen Mordes zu einer achtjährigen Haftstrafe
verurteilt worden. Damals hatte er eine ältere Bekannte erwürgt,
um an ihr Geld zu kommen.
Auf Anraten seiner Anwälte schweigt der Angeklagte im Prozess
jetzt jedoch: Die Verteidigungsstrategie der Advokaten ist es, nicht
auf Mord, sondern Totschlag zu plädieren und damit eine zeitlich
begrenzte Haftstrafe zu erreichen. Der Staatsanwalt hat als Mordmerkmal
«zur Verdeckung einer Straftat» angenommen. Die Anwälte
wollen im Prozess darlegen, dass ihrem Mandaten die Idee mit dem
Diebstahl erst gekommen sei, nachdem die Tat geschah.
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