Donnerstag
17. März 2005, 15:55 Uhr
Japan verschärft im Kampf gegen Prostitution
Visa-Bedingungen Sex-Industrie beschäftigt rund 150.000 Ausländerinnen
und Ausländer - Experten kritisier
Tokio (AP) Monica war 19, als sie sich aus ihrer Heimat Kolumbien
nach Japan locken ließ. Ja, sie wusste, dass sie als Prostituierte
arbeiten sollte - aber die Bedingungen hatte sie sich anders vorgestellt.
Als sie in Tokio eintraf, musste sie erst einmal fünf Millionen
Yen (umgerechnet 36.000 Euro) Schulden für die Vermittlung
abzahlen. Das Versprechen, sie könnte in Japan schnell reich
werden und ihrer kleinen Tochter in Kolumbien ein besseres Leben
verschaffen, erwies sich als Lüge. Im Falle eines Fluchtversuchs
werde man sich an ihrer Familie rächen, wurde ihr gedroht.
Fälle wie Monica gibt es in Japan rund 150.000. Im Laufe der
vergangenen 20 Jahre wurden nach Schätzungen von Hilfsorganisationen
sogar eine Million Ausländerinnen mit falschen Versprechungen
ins Land gelockt. Im Zentrum der jetzt erwachten Debatte über
die seit langem bekannten Missstände steht wie in Deutschland
der Missbrauch von Visa.
Erst in dieser Woche verschärfte Tokio die Auflagen für
die Ausstellung von Arbeitsvisa in der Unterhaltungsbranche. Diese
ursprünglich für Musiker, Tänzer und andere Künstler
bestimmten Visa wurden von der Sex-Industrie offenbar massiv missbraucht.
Allein an philippinische Frauen wurden in den vergangenen Jahren
jeweils rund 80.000 derartiger Visa ausgegeben.
Zum Thema wurde dies allerdings erst im vergangenen Jahr, als Japan
erstmals in einem US-Regierungsbericht über Menschenhandel
auftauchte. Auch im aktuellen Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums
wird das Problem erwähnt. Nach der Verschärfung der Einreisebedingungen
will die Regierung noch in diesem Frühjahr Menschenhandel zur
Straftat erklären - bislang taucht das Delikt im japanischen
Strafgesetzbuch nicht auf. Opfer von Menschenhandel sollen zur Aussage
ermutigt werden, indem ihnen ein begrenztes Aufenthaltsrecht in
Aussicht gestellt wird.
Frauen wie Monica allerdings wird das geplante Gesetz nichts nützen.
Denn wer eingewilligt hat, zwecks Arbeit in einem Bordell nach Japan
einzureisen, wird als Opfer nicht anerkannt. Dass die Frauen nach
ihrer Ankunft ihrem Arbeitgeber in der Regel vollkommen ausgeliefert
sind und gnadenlos ausgebeutet werden, interessiert nicht. Monica
berichtet von sklavenähnlichen Bedingungen: Freie Tage gibt
es nicht, und wird eine Prostituierte krank, so muss sie für
die dem Zuhälter entgangenen Einnahmen nacharbeiten.
Die Regierung habe offenbar nicht vor, diesen Frauen zu helfen,
kritisiert Yoko Yoshida vom Japanischen Netzwerk gegen Menschenschmuggel.
Was sie bräuchten, seien ärztliche Hilfe, eine Rechtsberatung
und ein Ausbildungsangebot. Und die amerikanische Wissenschaftlerin
Kinsey Alden Dinan kritisiert, die japanische Regierung mache es
sich leicht: «Es ist leichter, sie abzuschieben, als sich
mit dem Problem zu befassen.»
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