Montag
17. Januar 2005, 03:10 Uhr
«Viele Vorurteile» - Schwuler Stadtrat
befürchtet Medienkampagne
München
(ddp-bay). Der schwule Münchner Stadtrat Thomas Niederbühl
befürchtet nach der Klärung des Mordes an Rudolph Moshammer
in den Medien eine Schmutzkampagne um die homosexuelle Szene der
Stadt. Die Ausbreitung der «dunklen und geheimen Seite»
Moshammers werde «viele Vorurteile gegenüber Homosexuellen
bestärken», sagte der Vertreter der «Rosa Liste»
im Stadtparlament und Geschäftsführer der Münchner
Aidshilfe im ddp-Interview. Moshammer war von einem männlichen
Sexualpartner offenbar im Streit um 2000 Euro Liebeslohn erdrosselt
worden.
Moshammer sei
aber «ganz und gar nicht typisch» für die Schwulen
in München gewesen, betonte Niederbühl. «Er war
eine absolute Ausnahmefigur.» Der ermordete Promischneider
habe sich ja auch nie offen zu seiner sexuellen Ausrichtung bekannt
und ein Doppelleben geführt. «Ich bedauere es sehr, dass
er nicht den Mut gehabt hat, zu seinen Gefühlen zu stehen.
Er hätte dann ein einfacheres Leben haben können»,
betonte der Schwulen-Lobbyist.
Doch niemand
dürfe Moshammer das vorwerfen. «Es ist wirklich eine
Generationenfrage. Moshammer hat es nicht geschafft, bei der Liberalisierung
mitzuziehen», sagte Niederbühl. Schließlich sei
bis 1969 das Praktizieren männlicher Homosexualität eine
Straftat gewesen. Er hoffe, dass sich in Zukunft immer weniger Prominente
verstecken müssen.
Gar nicht verstehen
könne er aber, warum sich Moshammer seine Sexualpartner am
Straßenstrich besorgte. «Stricher sind oft selbst gar
nicht schwul, sondern nur hinter dem schnellem Geld her»,
kritisierte der Aidshilfe-Chef und fügte hinzu: «Wenn
sich Moshammer einen professionellen Callboy gerufen hätte,
wäre ihm wahrscheinlich nichts passiert.» Und auch in
der offenen Schwulen-Szene Münchens herrsche kein Mangel an
kostenlosem Sex.
Niederbühl,
der selbst in einer festen Partnerschaft lebt, ist seit 1996 Stadtrat
in der Landeshauptstadt. Seine «Rosa Liste» befindet
sich in einer Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen. Nach Einschätzung
Niederbühls leben in München mindestens 80 000 Homosexuelle.
Die Stadt habe ihren früheren Ruf als «schlimmster Ort
Deutschlands» für Schwule längst abgelegt. Das Klima
habe sich in den vergangenen 25 Jahren stark verändert. «Heute
zählt München bundesweit zu den attraktivsten Städten
für Homosexuelle», betonte Niederbühl.
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