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Donnerstag
06. Januar 2005, 15:53 Uhr
Sorge um Kinder in Südostasien
Kein
anderer Anblick geht den Menschen mehr ans Herz als diese dunklen,
glänzenden Kinderaugen. Tagtäglich erscheinen sie bei
den Fernsehnachrichten über die Flutkatastrophe in Asien.
Viele Kinder haben nicht nur Vater und Mutter verloren, sie sind
auch verletzt und von Krankheiten gezeichnet. Auf insgesamt 1,5
Millionen schätzt das Kinderhilfswerk UNICEF ihre Zahl. Damit
nicht genug:
Schon
gibt es Hinweise auf skrupellose Kinderhändler, die sich in
Dörfer und Lager schleichen.
Aus
mehreren Notunterkünften in Sri Lanka sollen nach Angaben der
Kindernothilfe in Duisburg bereits Kinder verschwunden sein. „Wir
machen uns große Sorgen und befürchten, dass die Kinder
von der tamilischen Rebellenarmee zwangsrekrutiert werden sollen“,
sagt Sascha Decker, Sprecher der Kindernothilfe in Köln.
Washington
ist alarmiert: „Es gibt genügend glaubhafte Berichte,
die uns zu der Schlussfolgerung gebracht haben, dass hier eine echte
Gefahr besteht und sofort eingeschritten werden muss, um Missbrauch
zu verhindern“, sagt der Sprecher des US-Außenministeriums,
Adam Ereli. „Wir sind erschüttert über diese Berichte
und entsetzt, dass Tausende von Kindern, die bei dem Desaster zu
Waisen wurden, Gefahr laufen, von Kriminellen ausgenutzt zu werden.“
„Wir
wissen aus vergangenen Krisen, dass Menschenhändler keine Skrupel
haben, Kinder gerade in dieser Situation anzusprechen“, sagt
Christian Schneider vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF in Köln.
Schon früher seien in Südasien jährlich tausende
Kinder in die Prostitution gezwungen, an private Haushalte oder
Plantagen verkauft worden.
Einzelne
Hinweise auf Missbrauch von Kindern gebe es aus Notunterkünften
in Sri Lanka. „Immer wenn Menschen auf so engem Raum unter
solchen Umständen zusammenleben und niemand weiß, welche
Kinder in Begleitung von Eltern oder Angehörigen sind, wird
dies auch für sexuellen Missbrauch ausgenutzt“, sagt
Schneider. Die Regierung in Jakarta versuche, dem einen Riegel vorzuschieben.
So dürften etwa aus der besonders stark betroffenen Provinz
Aceh im Norden Sumatras keine Kinder unter 16 Jahren mehr ausreisen.
Die
örtliche Kinderschutzorganisation NCPA (National Childcare
Protection Authority) weist auf Klagen in Sri Lanka hin, wonach
Kinder unrechtmäßig adoptiert wurden. Hilfsorganisationen
befürchten zudem, dass Verwandte von Waisenkindern mehr an
den Zuschüssen der Regierung für die Kleinen interessiert
sind und die Kinder verstoßen, sobald sie das Geld haben,
wie die indische Zeitung „Hindustan Times“ meldet. Anderen
Berichten zufolge geben sich Fremde als Verwandte aus, um an das
Geld zu kommen.
Dennoch
raten Experten von Auslandsadoptionen ab. In jedem Einzelfall müsse
sorgfältig geklärt werden, ob es keine sinnvolle Lösung
im Heimatland der Kinder gibt, sagt Maria Holz vom Hilfswerk terre
des hommes in Osnabrück. So sollte geprüft werden, ob
Kinder, die ihre Eltern verloren haben, bei Verwandten leben könnten.
Auch UNICEF betont, die Kinder seien seelisch in ihrer Heimat verankert.
Schneider: „Wir bitten alle, die nach reiflicher Überlegung
ein solches Kind aufnehmen wollen, um Verständnis, dass die
Betreuung der Kinder in der gewohnten Umgebung das beste für
sie ist.“
Eine
Rückkehr zur Normalität scheint im Katastrophengebiet
zwar noch in weiter Ferne. Dennoch sollen Notschulen öffnen.
„Angesichts des Schockzustandes und der nicht absehbaren langfristigen
psychischen Folgen ist es von größter Bedeutung, dass
für die Kinder in den Dörfern und Notunterkünften
wieder eine Form von geregeltem Alltag beginnt“, sagt Schneider.
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