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Donnerstag 6. Januar 2005, 14:26 Uhr
Menschenhandel und Prostitution - Mammutprozess in Frankfurt beginnt

Frankfurt (Oder) (ddp-lbg). Ein Mammutprozess gegen eine mutmaßliche Menschenhändlerbande hat am Donnerstag am Landgericht Frankfurt (Oder) begonnen. Ein 38-jähriger Ukrainer, eine 35 Jahre alte Lettin und ein 33-jähriger Deutscher sind des Menschenhandels, der Ausbeutung von Prostituierten und der Urkundenfälschung angeklagt. Die Bande soll zwischen 1999 und Anfang 2004 über 100 Frauen in der Ukraine und Lettland angeworben, nach Deutschland gebracht und hier in Bordellen zur Prostitution gezwungen haben. Allein die Verlesung der 151 Seiten starken Anklageschrift dauerte fast drei Stunden.

Mitglieder der Bande sollen die Anreise der Frauen von Berlin aus organisiert und dabei die Kosten für Fahrkarten, Visa oder gefälschte Pässe vorgeschossen haben. In einem Fall seien das 1600 Euro gewesen, sagte der Staatsanwalt. Die Osteuropäerinnen seien entweder illegal oder aber mit einem Touristenvisum, aber ohne Arbeitserlaubnis nach Deutschland gekommen. Sie seien per Fähre, Bahn oder Reisebus über Lübeck, Berlin und Küstrin-Kietz angereist und dann in Bordelle unter anderem in Berlin, Rostock, Stralsund, Hof, Wetzlar, Mühlhausen und Altenburg gebracht worden.

Die Frauen aus Osteuropa mussten laut Anklage «einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen» an die Bandenmitglieder abführen. In einigen Fällen seien das mindestens 250 Euro pro Woche gewesen. Die Ermittler nehmen an, dass einige Frauen nicht wussten, dass sie in Deutschland als Prostituierte arbeiten müssen. Andere seien zwar freiwillig in die Prostitution gegangen. Doch die Angeklagten hätten bestimmt, in welchen Bordellen sie arbeiten müssen. Eine Frau, die mit den Zuständen nicht zufrieden war und wieder nach Hause reisen wollte, sei gezwungen worden zu bleiben, um ihre «Schulden» abzuarbeiten.

Die Angeklagten wollten sich am Donnerstag nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Beschuldigten waren im Februar 2004 bei einer Razzia festgenommen worden. Die Ermittler hatten damals Wohnungen und Firmen in Bayern, Berlin und Thüringen durchsucht. Der Aktion waren dreijährige Ermittlungen des brandenburgischen Landeskriminalamtes und des Bundesgrenzschutzamtes Frankfurt (Oder) vorausgegangen.

Für das Verfahren sind mehr als 30 Prozesstage bis Ende Mai angesetzt. Dabei sollen auch zahlreiche frühere Prostituierte als Zeuginnen gehört werden. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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