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Montag 28. Juni 2004
Hier beichtet eine glückliche Mutter, die mal Hure war
Mein süßer Sohn ist von einem Freier


Stuttgart – Ihr Sohn hat blondes, dichtes Haar, braune Augen. Wenn Sandra (27) den kleinen Leon (2) betrachtet, gehen ihr unzählige Gesichter von Männern durch den Kopf. Sie weiß nicht, wer Leons Vater ist. Sandra war Prostituierte. Von einem Freier ist sie schwanger geworden...
Rückblick: Vor vier Jahren geht die gelernte Hauswirtschaftlerin erstmals auf den Strich: „Ich war immer pleite und wollte endlich Geld verdienen.“

„Manchmal waren es 16 Männer am Tag“, erinnert sie sich.

Sandra nimmt Kondome, wird trotzdem schwanger. Erst im sechsten Monat geht sie zum Arzt – für eine Abtreibung ist es zu spät. „Ich war verzweifelt, wollte das Kind eines Freiers nicht behalten“, sagt Sandra. Sie beschließt, das Baby zur Adoption frei zu geben.

Ihren Bauch kann sie nicht mehr verbergen. Ihr Zuhälter rastet aus. „Er trat mir in den Bauch und schubste mich in eine Wanne mit eiskaltem Wasser.“ Die Fruchtblase platzt – acht Wochen vor dem Geburtstermin.

„Im Krankenhaus hatte ich Besuch vom Jugendamt. Sie nahmen mein Baby mit, ließen mir keine Zeit zu überlegen, ob ich Leon nicht doch behalten möchte.“

Sandra geht weiter auf den Strich. Heimlich telefoniert sie mit Helfern des Projektes „Findelbaby“. Sie hat nur einen Wunsch: Leon soll zu Pflegeeltern kommen, die sie auch besuchen darf. Als das gelingt, kann sie es vor Sehnsucht kaum noch erwarten.

Erst vier Monate später kommt Sandras Chance. „Ein Mann buchte mich für vier ganze Tage. Er nahm mich mit aus der Stadt. So konnte ich meinem Zuhälter entkommen.“

Sandra fährt zu ihrem Kind, wirft unterwegs ihr Handy aus dem Autofenster. Als die Pflegemutter ihr ihren Sohn für immer in den Arm legt, weint sie.

„Ich wusste sofort, wir gehören zusammen.“ Jetzt will Sandra nur noch eine gute Mutter sein. Sie sucht eine Stelle in ihrem alten Job.

Sandras Geschichte erscheint in der 3. Auflage des Buchs „Und plötzlich ist es Leben“ (Europäische Verlagsanstalt; 19,90 Euro) von Leila Moysich, Mitbegründerin des Projekts „Findelbaby“. Notruf-Nummer: 0800/4560789.

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(Quelle: Bild.t-online.de)

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