Dienstag
23. November 2004, 13:47 Uhr
Aids bedroht laut UN vor allem Frauen in Asien
London/Bangkok
(AP) Die tödliche Immunschwächekrankheit Aids bedroht
mehr Menschen als jemals zuvor: Mit 39,4 Millionen hat die Zahl
der HIV-Infizierten weltweit einen neuen Höchststand erreicht.
Besonders betroffen seien Frauen in Ostasien, heißt es im
«HIV Status Report», den die Organisation UNAIDS am
Dienstag vorlegte. In den vergangenen zwei Jahren stieg ihre Zahl
demnach um mehr als 50 Prozent.
Die Tatsache,
dass Männer in vielen Beziehungen mehr Macht hätten, könne
für Frauen über Leben und Tod entscheiden, erklärte
UNAIDS. Der Kampf gegen die Immunschwächekrankheit könne
nur gewonnen werden, wenn die Unterdrückung von Frauen in Entwicklungsländern
überwunden werde. Mangelhafte Bildung, Vergewaltigung, Armut
und fehlende Gleichberechtigung seien in vielen Ländern dafür
verantwortlich, dass immer mehr Frauen an Aids erkranken.
Gewalt gegen
Frauen sei eine weltweite Geißel, die vor allem in armen Ländern
die Ausbreitung des HI-Virus begünstige. In Regionen, in denen
die Epidemie um sich greife wie auch dort, wo sie gerade beginne,
würden mehr Frauen als Männer infiziert. In vielen Entwicklungsländern
hätten Frauen und Mädchen einfach keine Chance, Sex abzulehnen
oder auf Kondomen zu bestehen. Und für Millionen Frauen sei
Sex zudem die einzige Verdienstmöglichkeit.
Ostasien verzeichnete
der Studie zufolge in den vergangenen zwei Jahren mit 56 Prozent
den höchsten Anstieg von HIV-Infektionen bei Frauen. Danach
folgten Osteuropa und Mittelasien mit 48 Prozent. In der Karibik,
der am meisten von Aids betroffenen Region nach dem Afrika südlich
der Sahara, sei die Ansteckungsgefahr für junge Frauen doppelt
so hoch wie für Männer. Weltweit sind fast die Hälfte
der HIV-Infizierten weiblich.
Zum einen sei
die Ansteckungsgefahr für Frauen beim Geschlechtsverkehr höher
als für Männer, hieß es in dem Bericht. Zum anderen
sei die Übertragung des Virus insbesondere in Asien nicht mehr
auf die Beziehungen zwischen Prostituierten und Freiern begrenzt.
Während in Thailand vor zwölf Jahren 90 Prozent der HIV-Übertragungen
in Bordellen stattgefunden hätten, seien inzwischen von der
Hälfte der Ansteckungen Ehefrauen betroffen, die von ihren
Männern nach einem Bordell-Besuch infiziert würden.
UNAIDS folgerte
daraus, dass es in vielen Ländern der Welt nicht mehr helfe,
die Bedeutung von Ehe und langfristigen monogamen Paarbeziehungen
zu betonen. Diesen Ansatz verfolgt etwa das amerikanische Anti-Aids-Programm.
UNAIDS-Chef
Peter Piot forderte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur
AP, Aids müsse zu einem Katalysator für die Frauenrechte
in den Entwicklungsländern werden. «Es hat dafür
schon genug Gründe vor Aids gegeben. Jetzt aber ist diese ganze
Verbindung von Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und Tod noch
nie so direkt gewesen wie mit Aids.» Die Frauenbewegung und
die Bewegung gegen Aids müssten zueinander finden. «Wenn
wir die Frauen nicht ins Zentrum der Reaktion gegen Aids stellen,
werden wir letztlich nicht in der Lage sein, die Epidemie unter
Kontrolle zu bringen.»
Im
ZDF-Morgenmagazin wies Piot darauf hin, dass auch in Osteuropa die
Zahl der Neuinfektionen steige. Mehr als eine Million Menschen sei
in Ländern der ehemaligen Sowjetunion mit HIV infiziert. Grund
sei vor allem Drogenmissbrauch.
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