Montag
20. Dezember 2004, 16:44 Uhr
Ermittlungen gegen sächsische Elitepolizisten
Dresden (AP)
Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Ermittlungen gegen Angehörige
eines Sondereinsatzkommandos (SEK) der sächsischen Polizei
aufgenommen, das in der Nacht zum vergangenen Freitag irrtümlicherweise
die Wohnung eines Polizeibeamten in Dresden gestürmt und dessen
zwei Hunde erschossen hatte. Die Ermittlungen laufen wegen Verdachts
der fahrlässigen Körperverletzung. Wie der Sprecher der
Staatsanwaltschaft, Andreas Feron, am Montag weiter mitteilte, wird
auch gegen Kriminalbeamte sowie eine Staatsanwältin ermittelt,
die bei dem Einsatz dabei gewesen seien.
Die SEK-Leute
hatten um 03.00 Uhr die im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses liegende
Wohnung des Polizeibeamten gestürmt. Der polizeibekannte Verdächtige,
dem die Aktion galt, wohnt jedoch im Obergeschoss. Der Verdacht
der Körperverletzung stützt sich darauf, dass der Polizist
und die mit ihm befreundete Schwester des Verdächtigen zu Boden
geworfen wurden.
Der sächsische
Innenminister Thomas de Maiziere sprach am Montag von einem «nicht
vollständig gelungenen Einsatz». Es sei aber kein Polizeiskandal.
Nach Angaben
des Leiters der Polizeidirektion Dresden, Bernd Ledermüller,
erfolgte die Durchsuchung des Hauses auf Grund eines Beschlusses
des Amtsgerichts Dresden. Der Mann, dem sie galt, wird als «Rotlichtgröße»
eingeschätzt. Er ist nach Polizeiangaben wegen unerlaubten
Waffenbesitzes und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion
vorbestraft.
Auslöser
für den Einsatz sei eine Strafanzeige gegen den Mann wegen
Verdachts des Rauschgifthandels und unerlaubten Waffenbesitzes gewesen,
sagte Ledermüller. In der Anzeige sei auch der Verdacht geäußert
worden, dass gegen den Verdächtigen nichts unternommen werde,
weil dieser zusammen mit seiner Schwester, die im Innenministerium
arbeite, und einem Polizeibeamten unter einem Dach wohne.
Ledermüller
gab an, die genauen Wohnverhältnisse in dem Haus seien vor
dem Einsatz nicht zu klären gewesen. «Es konnte nicht
festgestellt werden, wer welche Räume in welcher Etage nutzt.»
Vor der Aktion in der Dresdner Schillerstraße habe man in
einem Bordell an einem anderen Ort nach dem Tatverdächtigen
gesucht.
De Maiziere
betonte, weil die Schwester des Tatverdächtigen im Innenministerium
in Dresden arbeite, habe man keine SEK-Beamten aus Dresden eingesetzt,
sondern welche aus Leipzig kommen lassen. Die Frau arbeite bisher
in der Poststelle des Ministeriums; solle aber von dort weg versetzt
werden. Es habe ernsthafte Gründe gegeben, den Einsatz taktisch
so und nicht anders zu planen. «Natürlich wird die Verhältnismäßigkeit
der Mittel ausgewertet.»
Die SEK-Leute
hatten die Tür aufgebrochen und waren dann schießend
in die Wohnung des unschuldigen Polizisten gestürmt. Ledermüller
sagte: «Es ist niemand verletzt worden, und es hat am Ende
leider zwei tote Hunde gegeben.» An der Polizeiarbeit liebe
er, dass hinterher immer alle besser wüssten, wie man es hätte
machen sollen. «Das ist das Spannende dabei.»
De
Maiziere übte harsche Kritik an dem 44 Jahre alten Polizeibeamten,
der mit der gleichfalls 44-jährigen Schwester des «Rotlichtkönigs»
unter einem Dach wohne. Der Innenminister zitierte das Sprichwort:
«Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist.»
Er habe nicht die Absicht, sich bei dem Polizeibeamten oder der
Schwester des Verdächtigen in irgendeiner Weise zu entschuldigen.
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