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Dienstag
19. Oktober 2004
"100 000 Jahre Sex"
Vom
steinzeitlichen Fruchtbarkeitssymbol über römische Lampen
mit erotischen Motiven bis zum mittelalterlichen Keuschheitsgürtel:
Mit der Schau „100 000 Jahre Sex“ zeigt das Hamburger
Helms-Museum die Kulturgeschichte der Sexualität.
Ausgestellt
sind zirka 260 Objekte aus acht Ländern. Nach Hamburg ist die
Ausstellung noch in Dresden und Frankfurt sowie in Dänemark
und Italien zu sehen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.
„Wir wollen zeigen, wie der Mensch in der Vergangenheit auf
sehr unterschiedliche Weise mit Sexualität umgegangen ist",
zitierte die Agentur den Museumsleiter Rainer-Maria Weiss. „Das
Thema ist ausgefallen und doch seit Tausenden von Jahren aktuell,“
weiß die Museumsleitung um die Brisanz der Schau.
„Griechen
völlig unkompliziert“
„Heute
sind viele der Ansicht, dass wir nach der sexuellen Revolution der
60er- und 70er-Jahre die sexuelle Freiheit gepachtet haben",
sagte Weiss. Aber stattdessen hätten „wir nur das Joch
der Prüderie abgeworfen, das unsere Vorfahren sich selbst auferlegt
haben“. Vor allem die Griechen hatten ein völlig unkompliziertes
Verhältnis zur Sexualität, überall in der Stadt waren
Standbilder errichtet, die den Körper in seiner Schönheit
verherrlichten. „Sex und sexuelle Handlungen dienten dem Lustgewinn
und dem Vergnügen, nicht ausschließlich der Fortpflanzung.“
Zu sehen sind Phallusamulette, die Glück bringen sollten, erotische
Szenen auf Vasen und Tellern und Figuren in eindeutigen Positionen.
„Bordelle
für Römer selbstverständlich
Einen
besonderen Einblick in das ebenfalls freizügige Leben der Römer
bieten die Wandgemälde aus dem untergegangenen Pompeji. „Es
war selbstverständlich, dass Männer ins Bordell gingen
oder sich Sklavinnen hielten", sagte Weiss. Münzen mit
Nummern, auf denen verschiedene Sexstellungen zu sehen sind, machten
angeblich in den Freudenhäusern die Runde. Auch Wandschmierereien
(„Graffitis“) wurden in einem römischen Bordell
entdeckt. „Hier habe ich mit einer Dame mit wollüstiger
Hinterbacke die Nacht verbracht", hat da ein Römer in
die Wand gekritzelt.
Fundstücke
unter Verschluss
Solche
Funde passten nicht zu dem Bild, das sich unsere Vorfahren in früheren
Zeiten von der Antike machten. Deshalb verschwanden diese archäologischen
Fundstücke in den „Giftschränke“. Aufbewahrt
wurden sie in geheimen Archiven wie dem Secret Cabinet im britischen
Museum. Auch mit der christlichen Moral war Sexualität nicht
vereinbar. Die Ausstellung zeigt das Bußbuch des Burchard
von Worms aus dem Jahr 1000, in dem Priester Anleitung erhalten,
welche Art der Buße sie für sexuelle Handlungen aussprechen
sollen. Ob tatsächlich jemals ein Ritter seiner holden Angetrauten
einen Keuschheitsgürtel angelegt hat, bleibt dagegen fraglich.
Alle bekannten Keuschheitsgürtel stammen laut Weiss „aus
dem 19. Jahrhundert“.
Äbtissinnen-Trinkgefäß
in Phallusform
Dass
die Schäfchen nicht immer so artig waren, wie es die öffentliche
Moral wollte, zeigen unter anderem Studien mit eindeutigen Gebärden
von Albrecht Dürer und Pilgerabzeichen mit erotischem Inhalt.
In einem Kloster in Nordrhein-Westfalen fanden Archäologen
sogar ein Trinkgefäß in Phallusform in der Latrine einer
Äbtissin. Im Frankreich von Ludwig XIV. wahrte man ebenfalls
nur nach außen die Etikette. Für erheblichen Wirbel sorgte
im 19. Jahrhundert die Veröffentlichung der Briefe von Madame
Gourdan. Sie war im 18. Jahrhundert eine der bekanntesten Bordellbesitzerinnen
in Paris, und auch Könige und Geistliche gehörten zu ihren
Kunden.
Ort
der Ausstellung: Helms-Museum, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg
Öffnungszeiten: Di bis So 10-17 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 6 Euro, erm. 3 Euro
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