Samstag
09. Oktober 2004
Dies
ist der Vorhof zur Hölle
Es passiert
täglich rund um die Uhr vor aller Augen: Blutjunge Prostituierte
verkaufen sich an ihre Kunden
Luxuriöse
Bürohäuser ragen in Hamburgs City in die Luft. Rund um
den Lohseplatz (Klostertor) haben sich Firmen mit viel Geld angesiedelt.
Ganz in der Nähe steht Hamburgs modernster Bürokomplex,
in dem Star-Architekt Hadi Teherani seine Kreativität mit dem
Blick auf das schöne Hamburg entfaltet. Doch auf diesem Platz
im Herzen der Stadt bedienen drogensüchtige Prostituierte aus
St. Georg am helllichten Tag ihre Freier. Der Vorhof zur Hölle
- Hamburg ganz unten: Die Mitarbeiter der umliegenden Firmen sind
geschockt.
Szenen, die
sich am Lohseplatz im Zehn-Minuten-Takt abspielen: Ein dunkelblauer
VW-Passat aus Winsen-Luhe nähert sich langsam dem Parkplatz
vor den Bürobauten. Am Steuer sitzt ein blonder Mann. Mitte
30, Typ braver Familienvater. Auf dem Beifahrersitz eine ausgemergelte
Brünette, höchstens 20. Sie zieht ihr Shirt aus, schnürt
sich den Arm ab, setzt sich einen Schuss. Dann befriedigt sie ihren
Freier oral, danach wippt sie auf seinem Schoß auf und ab.
Zur selben Zeit fährt 20 Meter entfernt ein blauer Mercedes
unterhalb der Bahngleise entlang. Neben ihm ein blondes Mädchen,
etwa 16 Jahre alt. Sie verkauft ihren Körper an einen Geschäftsmann
aus Vechta.
Wer hier anschafft,
ist am Ende. Aus Gier nach dem nächsten Drogenrausch geben
sich die Prostituierten in den Autos rund um den Platz schon für
15 Euro ihren Kunden hin. Auf dem Boden liegen gebrauchte Kondome,
Kleenex-Tücher, alte Unterhosen herum. Die Huren und ihre Kunden
stört es nicht, dass sie beobachtet werden. Rush-Hour ist hier
rund um die Uhr, von morgens bis spät in die Nacht. Familienkombis
fahren vor, genau wie Sportwagen.
Sebastian Jung
(29) und sein Kollege Andreas Oehmig (43) erleben das widerliche
Schauspiel mehrmals täglich. Sie arbeiten bei einem angrenzenden
Abschleppunternehmen. "Das sind hier alles völlig fertige
Junkie-Nutten von St. Georg, die haben hier ihren Stammplatz",
sagt Sebastian Jung. "Um uns kümmern die sich gar nicht.
Selbst die Polizei ist denen komplett schnuppe. Die müssen
warten, bis die ihre Nummer durchgezogen haben - erst dann dürfen
sie die Personalien aufnehmen", sagt er.
So tolerant
sehen das die Mitarbeiter einer anderen Firma nicht. Sogar Minderjährige
sollen hier ihre Körper verkaufen, berichten Augenzeugen. Eine
Angestellte erzählt, was sie schon unfreiwillig vom Büro
aus beobachtet hat. "Ein kleines Mädchen, gerade mal acht
Jahre alt, sprang vor Kurzem aus einem fahrendem BMW. Sie weinte
und schrie. Da haben meine Kollegen einmal mehr die Polizei gerufen.
Minderjährige sehen wir hier öfters." Auch kleine
Jungen wurden hier schon beim Sex mit alten Männern gesehen.
Bald könnte
das heftige Treiben ein Ende haben, denn hier soll in etwa drei
Jahren die HafenCity entstehen. Arbeitslos sind die Prostituierten
dann aber sicherlich nicht. Sie werden sich mit ihren Freiern einen
neuen Platz in Hamburgs City suchen.
DAS SAGEN DIE
UNFREIWILLIGEN ZEUGEN
Andreas Oehmig
(43) vom Abschleppdienst: "Wir kennen die Prostituierten schon.
Es sind immer dieselben. Viele haben tiefe Narben im Gesicht. Von
den dicksten Autos bis zur kleinsten Schrottkarre fährt hier
einfach alles vor."
Evelin Slumski
(44) arbeitet am Lohseplatz: "Das geht hier schon seit Jahren
so. Täglich kommen hier Nutten mit ihren Freiern an. Ich sehe
das schon gar nicht mehr. Im Sommer treiben sie es sogar auf der
Motorhaube. Egal, wer da zuguckt."
Sebastian Jung
(29), Abschleppdienst: "Das sind alles Junkie-Nutten aus St.
Georg, die sehen total fertig aus. Die Männer kommen aus allen
Milieus. Viele haben sogar noch einen Kindersitz auf der Rückbank.
Einfach schlimm."
Vor dem Job
holt die Hure Drogen aus ihrer Tasche (kl. Bild). Danach zieht sie
ihre Hose aus - und uriniert auf den Boden
Ein Mercedes
aus Vechta parkt an den stillgelegten Bahngleisen. Mit an Bord:
eine Hure
Unfreiwilliger
Voyeurismus beim Blick aus dem Bürofenster: Auf dem Platz unterhalb
der Gleise bedienen Prostituierte ihre Freier in deren Wagen
Eklige Hinterlassenschaften
der Open-Air-Prostitution: Unterhosen, Taschentücher, Kondome
Info:
STRASSENSTRICH
Mehrere hundert
drogenabhängige minderjährige Mädchen bieten in St.
Georg ihre ausgemergelten Körper an. Nach Schätzungen
der Beratungsstellen "Ragazza" und "Cafe Sperrgebiet"
sind 40 Prozent obdachlos. Um Geld für den nächsten "Schuss"
Heroin zu bekommen, sind die Mädchen den Freiern oft schon
für 20 Euro zu Willen. Vergewaltigungen und Misshandlungen
sind an der Tagesordnung. Anzeigen der Mädchen gibt es fast
nie. Bisher gingen viele Mädchen im Horror-Haus am Steindamm
oder auf einsamen Parkplätzen an der Amsinckstraße der
Prostitution nach. Doch seitdem das Haus eingezäunt ist, verlagert
sich die Szene vermehrt zum Lohseplatz. Dort werden die Freier direkt
neben den alten Bahngleisen, aber auch in den "Katakomben"
unter der Bahnstrecke nach Harburg befriedigt. In den höhlenartigen
Räumen waren früher Unterkünfte für Rangierer.
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