Donnerstag
8. Juli 2004, 19:06 Uhr
NATO geht gegen Prostitution in Einsatzgebieten
vor
Brüssel
(AFP) - Soldaten und zivile Mitarbeiter der NATO sollen sich bei
Einsätzen nicht an der Förderung von Prostitution und
damit häufig auch des Menschenhandels beteiligen. Das will
die Allianz durch Sensibilisierung der eigenen Truppe und durch
strenge Verhaltensregeln in Krisengebieten erreichen, wie zwei NATO-Botschafter
in Brüssel ankündigten.
"Das
ist ein globales Problem und nicht nur ein Problem der NATO,"
sagte US-Botschafter Nicholas Burns. Nach UN-Schätzungen seien
allein auf den Balkan etwa 200.000 Mädchen und junge Frauen
gebracht worden, um häufig gegen ihren Willen als Prostituierte
zu arbeiten. "Das ist ein Menschenrechtsproblem enormen Ausmaßes",
so Burns.
Meistens
sei den Soldaten vor Ort die Problematik überhaupt nicht bewusst,
sagte Burns. Das soll sich durch die von den NATO-Staaten und den
an NATO-Einsätzen beteiligten Ländern außerhalb
der Allianz vereinbarten Regeln ändern. Vor dem Einsatz sollen
demnach Soldaten aller Ränge und auch ziviles Personal auf
die Beziehungen zwischen Prostitution, Menschenhandel, Ausbeutung
und sklavenähnliche Arbeitsbedingungen sowie organisierte Kriminalität
aufmerksam gemacht werden.
Als
Vorgabe haben sich die NATO-Staaten auf eine "Null-Toleranz-Politik"
verständigt, was in den jeweiligen Verhaltensregeln für
den Einsatz klar gemacht werden soll. Möglichen Verstößen
soll sofort nachgegangen und Strafen umgehend verhängt werden.
In Übereinstimmung mit den nationalen Rechtsvorschriften sollen
Informanten, die über Verstöße berichten, ausdrücklich
geschützt werden. Im Einsatzgebiet soll mit örtlichen
und internationalen Organisationen gegen die dort meist illegale
Prostitution eng zusammengearbeitet werden.
Menschenschmuggel
gehe auf Kosten der Herkunftsländer seiner Opfer, die Transit-
und die Zielländer, heißt es der NATO-Vorlage zur Initiative.
Die moderne Sklaverei fördere Korruption und die organisierte
Kriminalität. Bis zu 90 Prozent aller Sex-Dienste in Bosnien-Herzegowina
würden von Opfern des Menschenschmuggels angeboten, verdeutlichte
der norwegische NATO-Botschafter Kai Eide die Größenordnung
des Problems. Die Inanspruchnahme solcher Dienste durch Soldaten
verletzte die Rechte besonders von Frauen und Mädchen, sagte
Eide, aber auch die Reputation und die ganze Zielsetzung der Einsätze.
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