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Dienstag
16. September 2003, 13:37 Uhr
Kinderhandel
«so lukrativ wie Drogenhandel»
München
(AP) Der Handel mit Kindern ist nach Einschätzung des Hilfswerks
Terre des hommes «mittlerweile so lukrativ wie das Geschäft
mit Drogen und Waffen». Jedes Jahr würden Hunderttausende
Kinder verschleppt, verkauft und ausgebeutet, sagte Kampagnen-Koordinator
Boris Scharlowski am Dienstag in München. Sie würden zum
Stehlen oder zur Prostitution gezwungen oder als Arbeitskräfte
ausgebeutet, sagte der Terre-des-Hommes-Mitarbeiter und forderte
die Bundesregierung auf, ihre Vorbehalte gegen die UN-Kinderrechtskonvention
aufzugeben.
Auch in Deutschland
sei die Nachfrage nach jungen Prostituierten aus Osteuropa und der
Dritten Welt sowie nach Kinderpornografie groß, sagte Scharlowski.
Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth,
prangerte eine «Wegschau-Mentalität» in der Bevölkerung
an. «Ich bin entsetzt, was da an der bayerisch-tschechischen
Grenze passiert», sagte die Grünen-Abgeordnete. «Wenn
der örtliche Fußballverein zweimal gewinnt, lädt
der Präsident alle zur Sex-Sause über die Grenze ein.
Alle wissen's, und keiner redet drüber.»
Ein Phänomen
in den Großstädten sind laut Scharlowski «Klaukinder»,
die Schlepper im Nordosten Rumäniens den Eltern für 250
bis 500 Euro abkaufen. In Deutschland würden die meist noch
nicht strafmündigen Kinder zum Stehlen gezwungen. Bis zu 1.000
Euro Gewinn am Tag seien durchaus üblich.
Laut Roth blockiert
der Bundesrat die vorbehaltlose Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention.
Scharlowski zufolge leben 6.000 bis 10.000 «unbegleitete Minderjähriger»
in Deutschland. Sie hätten kein Recht auf Jugendhilfe oder
Schule. «Indem sie massiv von der Abschiebung bedroht sind,
riskieren sie - gerade dann, wenn sie zu einer gerichtsverwertbaren
Aussage bereit sind - Leib und Leben im Falle einer Rückkehr»,
sagt Scharlowski.
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