Donnerstag
11. Dezember 2003, 18:14 Uhr
Menschenhandel in Südosteuropa nimmt laut
UN zu
Wien (AP) Der
Menschenhandel in Südosteuropa nimmt nach Angaben der Vereinten
Nationen weiter zu. 90 Prozent der Prostituierten in Europa, die
nicht in ihren Heimatländern arbeiteten, seien Opfer von Menschenhändlern
geworden, heißt es in dem am Donnerstag in Wien vorgestellten
Bericht. Weniger als 20 Prozent der verschleppten Frauen könnten
aber nur als Opfer des Menschenhandels identifiziert werden, sagte
Barbara Limanowska, die den Bericht für UNICEF, OSZE und das
Flüchtlingshilfswerk UNHCR erstellte. Ein Jahr zuvor seien
es noch 35 Prozent gewesen. Nur bei fünf Prozent habe man helfen
können.
Die Studie,
die den Zeitraum von November 2002 bis April 2003 erfasst, machte
keine Angaben zur Zahl der Personen, die dem Menschenhandel zum
Opfer fallen. Es werde jedoch vermutet, dass es sich bei 90 Prozent
der ausländischen Prostituierten um Verschleppungsopfer handle,
hieß es. Zehn bis 15 Prozent davon seien jünger als 18
Jahre.
Die Methoden
der Menschenhändler würden immer brutaler und ausgeklügelter,
hieß es. Indem sie immer schneller ihre Vorgehensweise änderten,
könnten unabhängige Organisationen und Polizei die Opfer
nur schwer erreichen. Limanowska sieht die geringe Aufklärungsquote
auch in der schlechten fachspezifischen Ausbildung der Polizei begründet.
Unabhängige und internationale Organisationen seien in diesem
Bereich besser ausgerüstet.
Die UNICEF-Beauftragte
von Bosnien, Helena Eversole, rief dazu auf, das Problem bei den
Wurzeln zu packen. Beispielsweise indem man den potenziellen Opfern
eine Schulausbildung zusichere. «Gebildete Mädchen -
besonders die mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein - sind weitaus
weniger gefährdet, verschleppt zu werden», sagte Eversole.
Als eine «moderne Form der Sklaverei» bezeichnete Christian
Strohal das Geschäft mit den Frauen. Der Leiter des OSZE-Büros
für demokratische Institutionen und Menschenrechte sieht die
Stabilität und Sicherheit Südosteuropas durch den Menschenhandel
bedroht.
Untersucht
wurde die Lage in Albanien, Bosnien, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien,
Moldavien, Rumänien sowie Serbien-Montenegro einschließlich
Kosovo.
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