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Freitag
12. Juli 2002, 13:38 Uhr
Zusammenfassung mit Eingangsstatement des Polizeipräsidenten
der Pressekonferenz zur Änderung der Sperrbezirksverordnung am
Freitag, 12.7.2002
Essen (ots) - Auskünfte erteilten: Polizeipräsident Herbert
Schenkelberg Leiter G/S (Gefahrenabwehr/Strafverfolgung), Leitender
Polizeidirektor Helmut Janiesch Leiter der Polizeiinspektion 1 ("Gerlingwache"),
Polizeidirektor Friedrich Koch Leiter ZKB (Zentralen Kriminalitätsbekämpfung),
Kriminaldirektor Heinz Jüschke
Kurze Zusammenfassung:
Die
neue Rechtsverordnung der Bezirksregierung Düsseldorf zum Essener
Sperrbezirk zur Ausübung der Prostitution umfasst jetzt auch
die Münchener Straße. Dort hat sich seit etwa zwei Jahren
der Straßenstrich etabliert. Die neue Verordnung erfordert
ein situationsangepasstes polizeiliches Handlungskonzept.
Die
Ausübung der Prostitution ist grundsätzlich nicht verboten.
Huren machen sich nur strafbar oder begehen eine Ordnungswidrigkeit,
wenn sie an Orten ihre Dienstleistung anbieten, an denen dies nach
der Rechtverordnung untersagt ist.
Die
Frauen auf der Münchener Straße sind seit Änderung
der gesetzlichen Bestimmung auf die neue Situation hingewiesen worden.
Ab dem 15.7.erhalten sie beim erstmaligen Antreffen ein Merkblatt
mit den neuen Grenzen ausgehändigt. Dies wird dokumentiert.
Die weitere Prostitutionsausübung wird untersagt.
Bei
beharrlichem Verstoß wird eine Anzeige und eine Ingewahrsamnahme
die Folge sein.
Da
zurzeit nicht klar ist, wo sich außerhalb des Sperrbezirks
die Prostitution etablieren wird, wird die Polizei im gesamten Stadtgebiet
die Entwicklung beobachten und auf "Wanderungsbewegungen"
reagieren. (U.K.)
Eingangsstatement
der Polizeipräsidenten Herbert Schenkelberg:
Die
Bezirksregierung Düsseldorf hat am 13.Juni die von der Stadt
Essen beantragte Erweiterung des Sperrbezirkes genehmigt. Damit
ist die Prostitution an der Münchener Straße illegal
und somit ein Fall für die Polizei, obwohl der Strich an der
Münchener Straße. aus polizeilicher Sicht unproblematisch
war und auch von den Hilfeeinrichtungen als geeigneter Standort
angesehen wurde. Ein Ermessensspielraum bleibt der Polizei nicht.
Wieder einmal ist die Polizei gefordert, wenn es um den Umgang mit
einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen geht. Aus dem sozialen
und politischen Problem, das ein Straßenstrich darstellt,
wird sehenden Auges ein polizeiliches gemacht. Wegen der Ausdehnung,
die der Sperrbezirk jetzt hat, wird damit zu rechnen sein, dass
die Polizei ihre Überwachungstätigkeit erheblich steigern
muss, wenn sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, sie erfülle
nicht ihre gesetzlichen Aufgaben. Denn wenn den Prostituierten kein
Ersatzstandort außerhalb des Sperrbezirkes angeboten wird,
werden sie sich erfahrungsgemäß - zum Teil jedenfalls
- im Sperrbezirk verteilen. Die polizeilichen Kräfte, die hier
gebunden werden, fehlen an anderer Stelle. M.E. hätten diejenigen,
die die Erweiterung des Sperrbezirks veranlasst haben, bereits frühzeitig
- zusammen mit Polizei und Hilfeeinrichtungen - nach einem Ausweichstandort
suchen sollen.. Dass dies nicht geschehen ist, hat vor allem auch
eine soziale Dimension. Viele Prostituierte sind drogenabhängig.
Sie brauchen die Hilfe der entsprechenden Einrichtungen, die ohne
Ersatzstandort aber kaum zu organisieren sein wird. Ich bin sehr
erstaunt darüber, dass dieser Aspekt in der öffentlichen
Diskussion so vernachlässigt wird. Darüber hinaus brauchen
die Frauen den Schutz durch die Polizei. Die Erfahrungen, die diesbezüglich
in der Vergangenheit auch in Essen gemacht werden mussten, belegen
dies überdeutlich. Ein derartiger Schutz lässt sich aber
nur organisieren, wenn bekannt ist, wo sich die Frauen aufhalten.
Hinzu kommt folgendes: Als Polizeipräsident dieser Stadt bin
ich für alle Bürger da. Ich habe Verständnis für
diejenigen, die einen Straßenstrich nicht unmittelbar vor
ihrer Haustüre haben wollen. Ich sehe aber auch, dass eine
bloße Verdrängung letztlich nichts bringt, weil die Probleme
dann an anderer Stelle auftreten und auch dort wieder Bürger
negativ betroffen sind .Vor allem muss ich als Polizeipräsident
ganz deutlich sagen, dass die Polizei die eigentlichen Probleme
nicht lösen kann: Obdachlosigkeit, Alkoholismus, Drogensucht
oder Prostitution lassen sich mit den repressiven Mitteln, die der
Polizei zur Verfügung stehen, nicht lösen ! Wir müssen
mehr als bisher gemeinsam überlegen, wie wir konstruktiv mit
der Szeneproblematik umgehen wollen. Die bloße Erklärung,
die Szene an einem bestimmten Ort nicht haben zu wollen, ist auf
Dauer zu wenig.
ots-Originaltext: Pressestelle Polizei Essen
Digitale
Pressemappe: http://www.presseportal.de/story.htx?firmaid=11562
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